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«Els catalans a l’Àfrica» – Die Rolle des Spanisch-Marokkanischen Kriegs von 1859/60 im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts

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Ina Kühne

Die Autorin untersucht die Bedeutung des Ersten Spanisch-Marokkanischen Kriegs (1859–1860) im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts. Sie analysiert, wie der Krieg die Herausbildung einer eigenständigen, katalanischen kulturnationalen Identität förderte. Die Studie weist auf der Grundlage bisher weitgehend unerschlossener Texte nach, dass die katalanischen Schriftsteller jener Zeit gezielt versuchten, das Massenereignis des Kriegs zu nutzen, um katalanische nationale Mythen und Symbole in der Bevölkerung zu verbreiten und dadurch zur Konstruktion einer katalanischen nationalen Identität beizutragen. Der politische Katalanismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts greift auf diese Identität zurück.

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Teil I: Theoretische Grundlagen

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Um die (Re-)Konstruktion einer katalanischen nationalen Identität in der Literatur zum Ersten Spanisch-Marokkanischen Krieg untersuchen zu können, ist es zunächst notwendig, sich mit dem Nationsverständnis des 19. Jahrhunderts zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang wird vor allem auf die Philosophie Johann Gottfried Herders eingegangen, da die katalanischen Intellektuellen des von mir untersuchten Zeitraums von dessen Überlegungen direkt beeinflusst wurden (vgl. Reguant 1997: 33) und das Nationsverständnis Herders in den analysierten Texten eindeutig nachgewiesen werden kann.1 Anschließend werden auf der Grundlage der Forschungsbeiträge von Stuart Hall, Miroslav Hroch, Benedict Anderson, Eric Hobsbawm, Anthony Smith, Bernhard Giesen und Ernest Gellner die Konstruktion nationaler Identität und deren Voraussetzungen erläutert, bevor in Anlehnung an die Theorien Hrochs und Hobsbawms die möglichen Wege der Nationsbildung beschrieben werden. Schließlich wird aufbauend auf den Forschungen Leszek Kołakowskis, Jan Assmanns, Michael Weigls, Stuart Halls, Ruth Wodaks u.a. auf die konkreten Merkmale nationaler Identität sowie diskursive Strategien zu deren Konstruktion eingegangen. Den Abschluss des Theorieteils bildet ein auf der Basis der beschriebenen Theorien erstelltes Analyseraster zur Konstruktion nationaler Identität im Diskurs, das die Grundlage der Analyse meines Korpus darstellt.

1. Das Nationsverständnis im 19. Jahrhundert

Im Gegensatz zu den Philosophen der Aufklärung geht Johann Gottfried Herder von einer natürlichen, von Gott geschaffenen Ordnung aus, die die Bildung von ← 29 | 30 → Nationen zur Folge habe.2 Laut Herder gehören die Menschen einem Geschlecht mit gemeinsamem Ursprung...

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