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«Els catalans a l’Àfrica» – Die Rolle des Spanisch-Marokkanischen Kriegs von 1859/60 im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts

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Ina Kühne

Die Autorin untersucht die Bedeutung des Ersten Spanisch-Marokkanischen Kriegs (1859–1860) im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts. Sie analysiert, wie der Krieg die Herausbildung einer eigenständigen, katalanischen kulturnationalen Identität förderte. Die Studie weist auf der Grundlage bisher weitgehend unerschlossener Texte nach, dass die katalanischen Schriftsteller jener Zeit gezielt versuchten, das Massenereignis des Kriegs zu nutzen, um katalanische nationale Mythen und Symbole in der Bevölkerung zu verbreiten und dadurch zur Konstruktion einer katalanischen nationalen Identität beizutragen. Der politische Katalanismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts greift auf diese Identität zurück.

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Teil III: Die Kriegsliteratur

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1. Vorüberlegungen zu den literarischen Ausdrucksmöglichkeiten

1.1 Gattungsspezifische Darstellungsmöglichkeiten und Perspektivstrukturen

Der Erste Spanisch-Marokkanische Krieg löste in ganz Spanien und auch in Katalonien eine Welle des Patriotismus aus, die sich in einer enormen Menge patriotischer Literatur in allen Gattungen manifestierte und die alle Gesellschaftsschichten erfasste: politische und ökonomische Eliten, die die Idee hatten, den Maler Marià Fortuny damit zu beauftragen, die Leistungen General Prims und der katalanischen Freiwilligen in Gemälden zu verewigen, Schriftsteller und Intellektuelle, die eine Vielzahl literarischer Werke über den Krieg verfassten, den Klerus, der anlässlich der Abreise und Rückkehr der katalanischen Freiwilligen, aber auch während des Kriegs zahlreiche liturgische Feiern veranstaltete, sowie die einfache Bevölkerung, die die Kriegsliteratur regelrecht verschlang und an den öffentlichen Feierlichkeiten begeistert teilnahm (vgl. Martín Corrales 2002: 171).1 Einen großen Anteil an dieser Kriegsbegeisterung hatten die Kriegsberichterstatter (Journalisten, Schriftsteller, Maler, Zeichner, Photographen), die von Zeitungen mit der Aufgabe betraut wurden, die Bevölkerung möglichst zeitnah mit den aktuellsten Informationen über das Kriegsgeschehen zu versorgen und so den Patriotismus weiter zu schüren (vgl. Tschilschke 2010: 228). Diese publizistische Kampagne profitierte in hohem Maße von den medienhistorischen Umbrüchen, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts vollzogen, als zu den etablierten Medien wie Buch, Flugblatt, Theater, Musik, Malerei, Graphik etc. neue wie Photographie, Telegraphie und die bebilderte Massenpresse hinzukamen.2 Diese Umstände ermöglichten erst die Entstehung der bis zu jenem Zeitpunkt nie dagewesenen F...

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