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«Els catalans a l’Àfrica» – Die Rolle des Spanisch-Marokkanischen Kriegs von 1859/60 im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts

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Ina Kühne

Die Autorin untersucht die Bedeutung des Ersten Spanisch-Marokkanischen Kriegs (1859–1860) im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts. Sie analysiert, wie der Krieg die Herausbildung einer eigenständigen, katalanischen kulturnationalen Identität förderte. Die Studie weist auf der Grundlage bisher weitgehend unerschlossener Texte nach, dass die katalanischen Schriftsteller jener Zeit gezielt versuchten, das Massenereignis des Kriegs zu nutzen, um katalanische nationale Mythen und Symbole in der Bevölkerung zu verbreiten und dadurch zur Konstruktion einer katalanischen nationalen Identität beizutragen. Der politische Katalanismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts greift auf diese Identität zurück.

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2.5 Bezugnahme auf gemeinsame kulturelle und ethnische Merkmale

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2.5.1 Die katalanische Sprache und Literaturtradition

Bei der Konstruktion nationaler Identität kommt der eigenen Sprache (llengua pròpia) ebenfalls Bedeutung zu. Kremnitz betrachtet sie sogar als einen „der wichtigsten Kandidaten für die Bestimmung und vor allem für die Selbstwahrnehmung ← 259 | 260 → relativ stabiler kollektiver Identitäten“ (Kremnitz 1995: 9). Hansen stellt außerdem fest, dass die gemeinsam gesprochene Sprache die Gruppe zusammenhält und kulturelle Identität schafft (vgl. Hansen 1995: 179). Das Konstrukt Sprache erhält dadurch, dass es als exemplarisch dargestellt und zum Sozialisierungsziel wird, eine gesellschaftliche Dynamik (vgl. Kremnitz 1995: 10). Dabei ist zu bedenken, dass Sprache nicht lediglich ein Kommunikationsmedium darstellt, sondern auch eine emotionale Dimension hat, die für die nationale Identität eine Rolle spielt.410 Llobera geht davon aus, dass Sprache nicht nur Erfahrungen übermittelt, sondern sie auch formt, und dass Individuen nur zu einer Sprache (ihrer Muttersprache) eine emotionale Verbindung haben können. Daher ist es für die Konstruktion bzw. Aufrechterhaltung nationaler Identität von entscheidender Bedeutung, die eigene Sprache zu erhalten und zu pflegen (vgl. Llobera 2004: 85). Llobera stellt in Anlehnung an Herder weiter fest, dass jede Sprache eine Weltanschauung darstelle und den Geist oder die Seele eines Volkes ausdrücke (vgl. auch Anderson 1983: 67ff., Smith 1991: 79ff.) und dass Sprachen zudem grundlegende ethnische Grenzen markierten. Er geht sogar so weit zu sagen, dass ein Niedergang der nationalen Sprache gleichzeitig auch einen Niedergang der nationalen Identität bedeute (vgl. Llobera 2004: 86f...

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