Show Less
Restricted access

Das Täterbild in der Überlebenden-Literatur

Ein Vergleich der Täterbilder in der frühen und späten Lagerliteratur von Buchenwald und Dachau

Series:

Chunguang Fang

Das Buch untersucht deutschsprachige Texte von KZ-Überlebenden aus Buchenwald und Dachau, die in den zwei produktivsten Phasen der Holocaustliteratur (1945-1949/1979-Gegenwart) veröffentlicht wurden. Die Autorin untersucht das Täterbild narratologisch und erinnerungskulturell vergleichend. Sie zeigt, dass die Autoren der frühen Lagerliteratur die von ihnen erlebten NS-Täter mit aller größter Intensität und Anschaulichkeit darstellen, während sich die der späten Lagerliteratur außer der Täterdarstellung auch auf der Konstruktion ihrer in den KZs verlorenen Identitäten hinwenden. Dementsprechend werden die Opferbilder viel konkreter und detaillierter als zuvor, während die Täterbilder mittlerweile amorpher, abstrakter und allgemeiner scheinen.

Show Summary Details
Restricted access

2 Das Täterbild in der frühen Lagerliteratur von 1945 bis 1949

Extract

2 Das Täterbild in der frühen Lagerliteratur von 1945 bis 1949

Das Textkorpus der frühen Lagerliteratur

Unter ‚Holocaustliteratur‘ versteht Sascha Feuchert umfassend „alle dominant literarischen Texte über den Holocaust“. Dabei werden „alle Aspekte der nationalsozialistischen ‚Rassen‘- und Vernichtungspolitik gegen alle Opfergruppen“ (beide Zitate, Feuchert 2004, S. 52, Hervorhebung im Original) mit einbezogen. Unter diese „dominant literarischen Texte“ fallen nach Feuchert Tagebücher, Chroniken, Memoiren, Erinnerungen sowie fiktionale Darstellungen des Holocaust.38 Die vorliegende Arbeit übernimmt Feucherts Begriffsdefinition, konzentriert sich aber vorwiegend auf die nicht-fiktionalen Texte. Holocaustliteratur – im Gegenzug zu anderen Gattungen – weist sich dabei durch die besondere Stellung der Autoren aus, die in das Geschehen involviert sind bzw. waren: „Die Verbindung des Autors zum Geschehen, sein Status als unmittelbar Betroffener oder Unbetroffener von den Geschehnissen des Holocaust spielt eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der einzelnen Texte“ (ebd., S. 53). Matías Martínez zufolge könne die Authentizitätsästhetik in der literarischen und künstlerischen Darstellung des Holocaust unter vier Aspekten betrachtet werden: Produktion, Referenz, Gestaltung und Wirkung. Bezüglich der Produktion stelle das persönliche Erleben der Ereignisse des Holocaust durch den Augenzeugen einen Legitimationszusammenhang zwischen Autorschaft, Autorität und Authentizität her. Ausschließlich in der Hinsicht der Authentizitätsästhetik nach Martínez stehe das Schreiben über die Ermordung der europäischen Juden nur denjenigen zu, die „als Augenzeugen oder auch als indirekt Betroffene ihr Werk durch einen persönlichen Bezug autorisieren können“39 (Martínez 2004,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.