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Das Täterbild in der Überlebenden-Literatur

Ein Vergleich der Täterbilder in der frühen und späten Lagerliteratur von Buchenwald und Dachau

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Chunguang Fang

Das Buch untersucht deutschsprachige Texte von KZ-Überlebenden aus Buchenwald und Dachau, die in den zwei produktivsten Phasen der Holocaustliteratur (1945-1949/1979-Gegenwart) veröffentlicht wurden. Die Autorin untersucht das Täterbild narratologisch und erinnerungskulturell vergleichend. Sie zeigt, dass die Autoren der frühen Lagerliteratur die von ihnen erlebten NS-Täter mit aller größter Intensität und Anschaulichkeit darstellen, während sich die der späten Lagerliteratur außer der Täterdarstellung auch auf der Konstruktion ihrer in den KZs verlorenen Identitäten hinwenden. Dementsprechend werden die Opferbilder viel konkreter und detaillierter als zuvor, während die Täterbilder mittlerweile amorpher, abstrakter und allgemeiner scheinen.

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3 Das Täterbild in der späten Lagerliteratur von 1979 bis 2012

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3 Das Täterbild in der späten Lagerliteratur von 1979 bis 2012

Das Textkorpus der späten Lagerliteratur

Ich schreibe von unserem Erinnern an das Vergangene und muß nicht wiederholen, was schon geschrieben ist. Das bedeutet aber auch, und ich glaube, das ist schon wichtig, daß da 40 oder 50 Jahre lang Schrifttum vorhanden ist, auf das ich mich beziehen kann. Ich muß nicht noch einmal schlecht das machen, was Primo Levi so gut gemacht hat. (Ruth Klüger zitiert nach Naumann 1993/1994, S. 39)

Was 1945 in einem Text durchaus noch innovativ war und damit ein besonderes Interesse auf sich zog, kann in heutigen Texten schmal, unoriginell oder auch nachgesprochen, gleichsam ‚unauthentisch‘ wirken. Zwar tendieren Erinnerungen – ob schriftlich oder mündlich – prinzipiell zur Standardisierung […], aber die Einbindung und Aktivierung von wiederkehrenden Sprachbildern, -ritualen oder Sentenzen sagt viel über die Intention eines Autors aus bzw. lässt selbst wieder Rückschlüsse zu, wie er seine Erlebnisse verarbeitet hat. Zu fragen wäre also: Orientiert er sich an vorgegebenen Mustern? Werden seine eigenen Erinnerungen durch die Lektüre und durch direkte/indirekte Zitate anderer Texte überdeckt oder gar gänzlich geformt etc.? (Feuchert 2008, S. 134)

Die vorstehenden Zitate konturieren die zentrale Problematik der späten Lagerliteratur im Vergleich zu den frühen Texten aus zwei verschiedenen Perspektiven: Die Autorin Ruth Klüger, Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, setzt sich beim Niederschreiben ihrer KZ-Erlebnisse Anfang der 1990er Jahre damit auseinander, wie ihre pers...

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