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Das Täterbild in der Überlebenden-Literatur

Ein Vergleich der Täterbilder in der frühen und späten Lagerliteratur von Buchenwald und Dachau

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Chunguang Fang

Das Buch untersucht deutschsprachige Texte von KZ-Überlebenden aus Buchenwald und Dachau, die in den zwei produktivsten Phasen der Holocaustliteratur (1945-1949/1979-Gegenwart) veröffentlicht wurden. Die Autorin untersucht das Täterbild narratologisch und erinnerungskulturell vergleichend. Sie zeigt, dass die Autoren der frühen Lagerliteratur die von ihnen erlebten NS-Täter mit aller größter Intensität und Anschaulichkeit darstellen, während sich die der späten Lagerliteratur außer der Täterdarstellung auch auf der Konstruktion ihrer in den KZs verlorenen Identitäten hinwenden. Dementsprechend werden die Opferbilder viel konkreter und detaillierter als zuvor, während die Täterbilder mittlerweile amorpher, abstrakter und allgemeiner scheinen.

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3.2.4 Täter-Opfer-Konstellationen

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3.2.4 Täter-Opfer-Konstellationen

Trotz der allgemeinen Reduzierung der Täterdarstellung in der späten Lagerliteratur nehmen die Erörterungen der Täter-Opfer-Beziehungen im Vergleich zur frühen Literatur nicht ab, sondern zeichnen sich vieldimensional ab. So gilt die Einstellung der ehemaligen Häftlinge den SS-Männern gegenüber nach dem Krieg als ein neuer Aspekt der Täterdarstellung. Die Täter-Opfer-Konstellation nimmt in der frühen Lagerliteratur immer dann einen wichtigen Platz ein, wenn es um die Anklage der Täter und die Aufklärung der Geschehnisse in den Lagern←187 | 188→ geht. Hingegen wird sie in der späten Lagerliteratur zunehmend genutzt, um die positive Selbstdarstellung der Häftlinge zu untermauern. So verschiebt sich der Fokus der Darstellung des Täter-Opfer-Verhältnisses in der späten Literatur bisweilen von der Täterinszenierung auf die Subjektkonstituierung der Autoren und die Betonung der Solidarität innerhalb der Häftlingsgruppe.

3.2.4.1 Allgemeine Konstellationen

In der Repräsentation der Täterpersönlichkeiten lässt sich deutlich feststellen, dass sich die Täter den Opfern gegenüber meistens feindlich, überheblich und verachtend verhalten. Da viele Täter auch von den Autoren der späten Phase als unqualifiziert und ungebildet betrachtet werden, schildern sie häufig, wie die Täter auf die Unterstützung der Häftlinge in der Lagerverwaltung angewiesen waren. Dieser Topos stimmt im Großen und Ganzen mit den frühen Täterdarstellungen überein, jedoch weichen die Reaktionen der Häftlinge darauf in den späten...

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