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Das Täterbild in der Überlebenden-Literatur

Ein Vergleich der Täterbilder in der frühen und späten Lagerliteratur von Buchenwald und Dachau

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Chunguang Fang

Das Buch untersucht deutschsprachige Texte von KZ-Überlebenden aus Buchenwald und Dachau, die in den zwei produktivsten Phasen der Holocaustliteratur (1945-1949/1979-Gegenwart) veröffentlicht wurden. Die Autorin untersucht das Täterbild narratologisch und erinnerungskulturell vergleichend. Sie zeigt, dass die Autoren der frühen Lagerliteratur die von ihnen erlebten NS-Täter mit aller größter Intensität und Anschaulichkeit darstellen, während sich die der späten Lagerliteratur außer der Täterdarstellung auch auf der Konstruktion ihrer in den KZs verlorenen Identitäten hinwenden. Dementsprechend werden die Opferbilder viel konkreter und detaillierter als zuvor, während die Täterbilder mittlerweile amorpher, abstrakter und allgemeiner scheinen.

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5 Zusammenfassung und Ausblick

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5 Zusammenfassung und Ausblick

Vieles geschieht ja in der Tat ungefähr so, wie man es vorstellend vorwegnahm: Gestapomänner in Ledermänteln, den Lauf der Pistolen auf ihr Opfer gezielt, damit hat es schon seine Richtigkeit. Aber dann eröffnet sich fast verblüffend die Einsicht, daß die Kerle nicht nur Ledermäntel und Pistolen haben, sondern auch Gesichter: keine „Gestapogesichter“ mit verdrehten Nasen, hypertrophierten Kinnpartien, Pokken- oder Messerstichnarben, wie sie im Buche stehen könnten. Vielmehr: Gesichter wie irgendwer. Dutzendgesichter. Und die ungeheure, wieder jede abstrahierende Vorstellung zerstörende Erkenntnis eines späteren Stadiums macht uns deutlich, wie die Dutzendgesichter dann schließlich doch zu Gestapogesichtern werden und wie das Böse die Banalität überlagert und überhöht. Es gibt nämlich keine „Banalität des Bösen“, und Hanna Arendt, die in ihrem Eichmann-Buch davon schrieb, kannte den Menschenfeind nur vom Hörensagen und sah ihn nur durch den gläsernen Käfig. (Améry 1980, S. 52)

Die Diskrepanz zwischen den Tätern mit ‚Gestapogesichtern‘, von denen Jean Améry vor seiner Verhaftung in den Berichten von ehemaligen Verfolgten durch die Gestapo las, und denen mit abstrahierten ‚Dutzendgesichtern‘, die er später durch seinen persönlichen Kontakt zu den Tätern erlebte, erinnert an die diese Arbeit einleitende Fragestellung der interdisziplinären Täterforschung: Entsprechen die Täterbilder aus der Perspektive der Holocaust-Überlebenden den Vorstellungen von ‚ganz normalen Deutschen‘, ‚ganz normalen Männern‘ und ‚durchschnittlichen Menschen‘, die sich unter Arendts...

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