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Theologie und Antisemitismus

Das Beispiel Martin Luthers

Andreas Pangritz

Martin Luthers Judenfeindschaft ist berüchtigt. Ihr Zusammenhang mit zentralen Themen seiner Theologie ist jedoch umstritten. Die Antisemitismusforschung wiederum hat sich bisher nur wenig für theologische Wurzeln der Judenfeindschaft interessiert. Die Untersuchung führt beide Perspektiven zusammen:

Luthers Schrift «Von den Juden und ihren Lügen» (1543) wird nicht nur im Blick auf die darin zum Ausdruck kommende Judenfeindschaft analysiert, sondern auch auf ihren theologischen Gehalt hin befragt. Dadurch verschärft sich das Problem: Der Antisemitismus ist im Zentrum der Theologie des Reformators verankert, in der Christologie und in der Rechtfertigungslehre. Diese Erkenntnis führt zu einer Sicht auf Luthers Theologie, in der diese selbst zum Problem wird.

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III) Martin Luthers Rechtfertigungslehre und ihre Probleme

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III)  Martin Luthers Rechtfertigungslehre und ihre Probleme

Unsere Leitfrage lautet, ob und inwiefern zwischen Luthers reformatorischer Theologie und seiner Judenfeindschaft ein Zusammenhang besteht. Im Allgemeinen gilt die Rechtfertigungslehre als das Zentrum von Luthers Theologie. Dabei kann der Reformator das mit der Rechtfertigung des Gottlosen bzw. des Sünders bezeichnete Geschehen „sowohl als Amt und Werk Jesu Christi beschreiben als auch mithilfe der Unterscheidung von Gesetz und Evangelium skizzieren“.1 Demgemäß soll in diesem Kapitel zunächst Luthers rechtfertigungstheologischer Ansatz skizziert und auf mögliche antijüdische Implikationen hin befragt werden.

Wir setzen bei den reformatorischen ‚Hauptschriften‘ des Jahres 1520 ein, um Aspekte der Rechtfertigungslehre zu erarbeiten, die für unsere Fragestellung relevant sind; dabei bleibt der explizite Bezug auf Probleme des christlich-jüdischen Verhältnisses jedoch noch weitgehend ausgeklammert. In einem zweiten Schritt sollen zwei Aspekte der reformatorischen Theologie kritisch ins Auge gefasst werden, in denen der Kern eines strukturbestimmenden Antijudaismus vermutet werden kann: Es handelt sich einerseits um die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, wie sie sich u. a. in den Schmalkaldischen Artikeln herauskristallisiert hat; zum andern geht es um die Zuspitzung des Gottesbegriffs auf das Prinzip ‚solus Christus‘, wie sie sich u. a. in der Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus findet.

1.  Zu Luthers Rechtfertigungslehre

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