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Himmlers Rennfahrer

Bernd Rosemeyer, der SS-Hauptsturmführer aus Lingen

Christoph Frilling

Bernd Rosemeyer, der weltberühmte Autorennfahrer der 30er Jahre, galt nach seinem Unfalltod 1938 als Vorbild für Generationen von rennsportbegeisterten Anhängern weltweit. Dass seine Rennkarriere eng verbunden war mit seiner Mitgliedschaft in der SS, ist zwar seit langem bekannt, wurde aber selten problematisiert. Rosemeyer wird bis heute weithin als unpolitischer Mensch dargestellt, der gezwungen gewesen sei, sich mit den Nationalsozialisten einzulassen, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, als Rennfahrer auftreten zu können.

Das Buch untersucht die genaueren Umstände der Verstrickung Rosemeyers in den Nationalsozialismus und wendet sich gegen eine Fortsetzung eines unkritischen Rosemeyer-Kults. Anlass für diese Studie ist die geplante Eröffnung eines privaten Rosemeyer-Museums in Lingen.

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Vorwort

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In einer Arbeit über „Habitus und Sprache prominenter Mitläufer“ gelangte ich 2009 zu folgender Einschätzung der politischen Rolle Bernd Rosemeyers und seiner Ehefrau Elly Beinhorn:

„Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer standen beide dem NS-Regime eher distanziert gegenüber. Die Ursache für diese Haltung war jedoch nicht das Ergebnis differenzierter, politischer Analyse, sondern eine insgesamt unpolitische Haltung. Eine ähnliche Distanz hätten beide wohl auch gegenüber einer SPD- oder Zentrumsregierung eingenommen – Politik interessierte sie einfach nicht. Desweiteren fehlte es beiden an der intellektuellen Fähigkeit, politische Manöver gleich welcher Art zu durchblicken; beide stammten aus einem relativ bildungsfernen Milieu, so dass ihnen auch die Kategorien fehlten, nach denen sie politische Strömungen hätten bewerten und einordnen können. Bliebe noch eine mögliche Ablehnung des Nationalsozialismus aus moralischen oder humanitären Erwägungen; auch diese lag ihnen fern, denn der Instanz, die ihnen die moralischen Grundwerte dafür hätte vermitteln können, mangelte es an eigener Glaubwürdigkeit: die „Brückenbau-Politik“ des Bischofs Berning und auch anderer hoher Repräsentanten der katholischen Kirche war nicht dazu angetan, junge Katholiken bzw. Christen etwa in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu führen. Im übrigen standen Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer der Kirche nicht besonders nahe; sie verzichteten auf eine kirchliche Trauung. Es wirkten auf Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer auch zu heftige Gegenkräfte ein, als dass ihnen eine wirklich resistente Haltung – also etwa tätiger Widerstand – gegenüber dem Nazismus...

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