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Himmlers Rennfahrer

Bernd Rosemeyer, der SS-Hauptsturmführer aus Lingen

Christoph Frilling

Bernd Rosemeyer, der weltberühmte Autorennfahrer der 30er Jahre, galt nach seinem Unfalltod 1938 als Vorbild für Generationen von rennsportbegeisterten Anhängern weltweit. Dass seine Rennkarriere eng verbunden war mit seiner Mitgliedschaft in der SS, ist zwar seit langem bekannt, wurde aber selten problematisiert. Rosemeyer wird bis heute weithin als unpolitischer Mensch dargestellt, der gezwungen gewesen sei, sich mit den Nationalsozialisten einzulassen, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, als Rennfahrer auftreten zu können.

Das Buch untersucht die genaueren Umstände der Verstrickung Rosemeyers in den Nationalsozialismus und wendet sich gegen eine Fortsetzung eines unkritischen Rosemeyer-Kults. Anlass für diese Studie ist die geplante Eröffnung eines privaten Rosemeyer-Museums in Lingen.

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0. Einleitung

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0. Einleitung

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bewegen die Versuche, den Nationalsozialismus und seine Protagonisten zu historisieren, immer wieder auch die Stadt Lingen/Ems, Heimatstadt des legendären Rennfahrers Bernd Rosemeyer.

Dieser ist freilich wegen seiner Funktion als SS-Hauptsturmführer umstritten. Anlässlich seines 80. Todestages planen die Lingener Anhänger des fragwürdigen Idols der Nazi-Zeit die Einrichtung eines „Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer-Museums“. Dagegen gibt es erhebliche Einwände, denn die Initiatoren haben mehrfach deutlich gemacht, dass eine Würdigung der sportlichen Erfolge Bernd Rosemeyers und seiner Ehefrau Elly Beinhorn ihr Hauptanliegen ist – nicht etwa eine kritische Aufarbeitung der Umstände, unter denen und durch die diese Erfolge möglich wurden.

Uwe Day (2006) erinnert daran, dass „für den jüdischen Romanisten Viktor Klemperer, der von den Nazis vom Lehrstuhl gejagt wurde, […] das SS-Mitglied Rosemeyer […] eine Figur aus dem braunen Heldenkabinett“ (Day 2006) gewesen sei.

Diesen zu historisieren entspricht der Forderung nach dem berüchtigten „Schluss-Strich“, die alte Nationalsozialisten schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erhoben. Konservative Politiker und Historiker machten sich diese Forderung spätestens seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu Eigen. Peter Lange zitierte in einer Sendung des Deutschlandfunks den Bochumer Historiker Norbert Frei wie folgt: „Die allgemeine Stimmungslage in Deutschland war so, dass quasi pauschal die Bemühungen um einen Schluss-Strich, wie man schon damals sagte, Unterstützung fanden, und dass die, ja man kann schon sagen, die Sehnsucht nach...

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