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Himmlers Rennfahrer

Bernd Rosemeyer, der SS-Hauptsturmführer aus Lingen

Christoph Frilling

Bernd Rosemeyer, der weltberühmte Autorennfahrer der 30er Jahre, galt nach seinem Unfalltod 1938 als Vorbild für Generationen von rennsportbegeisterten Anhängern weltweit. Dass seine Rennkarriere eng verbunden war mit seiner Mitgliedschaft in der SS, ist zwar seit langem bekannt, wurde aber selten problematisiert. Rosemeyer wird bis heute weithin als unpolitischer Mensch dargestellt, der gezwungen gewesen sei, sich mit den Nationalsozialisten einzulassen, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, als Rennfahrer auftreten zu können.

Das Buch untersucht die genaueren Umstände der Verstrickung Rosemeyers in den Nationalsozialismus und wendet sich gegen eine Fortsetzung eines unkritischen Rosemeyer-Kults. Anlass für diese Studie ist die geplante Eröffnung eines privaten Rosemeyer-Museums in Lingen.

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7. Das Märchen vom Gut-Nazi und Judenfreund

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7. Das Märchen vom Gut-Nazi und Judenfreund

„Wie vielen seiner überaus jungen Altersgefährten verhalf ihm die Diktatur zu Freiheit, Selbstverwirklichung, Geld und guter Laune. Sie ermöglichte ihm das fortgesetzte Erproben der eigenen Kräfte, den Kick, immer Größeres immer schneller zu schaffen, das ständige Grenzerlebnis im Geschwindigkeitsrausch der Zeit.“

(Götz Aly)

Das Narrativ vom „guten Nazi“ und „Judenfreund“ wird auch im Zusammenhang mit Rosemeyer bis heute gern benutzt. Dabei werden einzelne Vorgänge, die dieses Narrativ stützen könnten, entweder frei erfunden, zumindest aber verdreht und – aus dem Zusammenhang gerissen – der Nachwelt als „Beweise“ für die Lauterkeit Rosemeyers präsentiert. So hebt Bechtluft (2009) hervor, Rosemeyer habe ein jüdisches Kindermädchen gehabt; außerdem habe sich der Jude Bernhard Hanauer 2001 (!) bei einem Besuch in Lingen daran erinnert, Rosemeyer Mitte der 30er Jahre in Lingen persönlich begegnet zu sein. Dieser habe sich auf offener Straße angeregt mit ihm unterhalten – „was unter den Zeitumständen nicht mehr selbstverständlich war“. In der Lingener Tagespost vom 21.05.2009 wird über eben diesen Vorgang etwas anders berichtet. Die Zeitung beruft sich auf den ehemaligen Lingener Stadtarchivar Ludwig Remling, der wie folgt zitiert wird: „Dass er keine Berührungsängste mit jüdischen Mitbürgern hatte, beweise ein Ereignis im Rahmen eines Empfanges der Stadt Lingen im Juli 1937. Hier habe er einen jüdischen Bekannten aus seiner Kindheit angesprochen und sich mit ihm auf der Straße...

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