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Familienpsychologische Sachverständigengutachten in Sorge-, Umgangs- und Kindeswohlgefährdungsverfahren

Zur effektiven Einbeziehung von psychologischen Sachverständigen in kindschaftsrechtlichen Verfahren zum Wohle des Kindes

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Meike Löwer

In jüngerer Zeit gerieten familienpsychologische Sachverständigengutachten in Kindschaftssachen zunehmend in Kritik. Aufgrund des besonderen Stellenwertes von Gutachten für den Verfahrensausgang sind Mängel bei deren Erstellung und Verwertung unbedingt zu vermeiden. Es existieren nur wenige gesetzliche Regelungen, die die Gutachtenqualität nicht hinreichend sichern können. Dem Missstand nahm sich der Gesetzgeber mit der Reform des Sachverständigenrechts 2016 an. Unter Berücksichtigung hierzu ergangener Rechtsprechung und aktueller sozialwissenschaftlicher wie psychologischer Erkenntnisse ermittelt die Autorin die immer noch bestehenden Schwachstellen in der Gutachtenpraxis und entwickelt Verbesserungsvorschläge von der Notwendigkeit der Einholung eines Gutachtens bis zu dessen Verwertung.

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6. Kapitel: Gutachtenbasierte Entscheidungsfindung und Richterfähigkeiten

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6.  Kapitel: Gutachtenbasierte Entscheidungsfindung und Richterfähigkeiten

Als weitere Problematik im Zusammenhang mit der Einbeziehung von Sachverständigengutachten in kindschaftsrechtlichen Verfahren, respektive dem Einfluss von Gutachten auf die Entscheidung, stellt sich deren adäquate Überprüfung durch die Gerichte dar. Aufgrund der unbestreitbaren faktischen Abhängigkeit der Gerichte von den Sachverständigen1 ist es für sich genommen noch nicht zu bemängeln, wenn sich die Gerichte die Ausführungen der Sachverständigen zu eigen machen und ihrer Entscheidung zugrunde legen. Dies ist vielmehr logische Konsequenz der eigenen fehlenden Sachkunde. In ihrer Umfrage kamen Grafe/Klosinski zu dem Ergebnis, dass 78 % der Richter in 60–90 % der Fälle den Empfehlungen des Gutachters folgen, 16 % sogar in 9 von 10 Fällen.2

Bedenklich ist es nur, wenn die Ausführungen des Sachverständigen blind übernommen werden, erst recht wenn hierbei Mängel übersehen werden. Beispielhaft sei hier nur die aufsehenerregende Entscheidung des BVerfG vom 19.11.2014 erwähnt. Dort wurde die Verwertbarkeit des Gutachtens von den Fachgerichten nicht in Zweifel gezogen, obwohl sich dies geradezu hätte aufdrängen müssen (rassistische Bemerkungen des Sachverständigen, fragwürdiges Erziehungsleitbild als Maßstab).3 Das ist zum einen den bereits angeführten teilweise undurchsichtigen Anforderungen an die Gutachtenerstellung geschuldet. Zum anderen müssen Familienrichter ihrerseits in der Lage sein, Gutachten nachzuvollziehen, zu bewerten und aus den Ausführungen des Sachverständigen rechtliche Schlussfolgerungen zu ziehen.

A.  Anforderungen an die richterliche...

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