Show Less
Restricted access

Familienpsychologische Sachverständigengutachten in Sorge-, Umgangs- und Kindeswohlgefährdungsverfahren

Zur effektiven Einbeziehung von psychologischen Sachverständigen in kindschaftsrechtlichen Verfahren zum Wohle des Kindes

Series:

Meike Löwer

In jüngerer Zeit gerieten familienpsychologische Sachverständigengutachten in Kindschaftssachen zunehmend in Kritik. Aufgrund des besonderen Stellenwertes von Gutachten für den Verfahrensausgang sind Mängel bei deren Erstellung und Verwertung unbedingt zu vermeiden. Es existieren nur wenige gesetzliche Regelungen, die die Gutachtenqualität nicht hinreichend sichern können. Dem Missstand nahm sich der Gesetzgeber mit der Reform des Sachverständigenrechts 2016 an. Unter Berücksichtigung hierzu ergangener Rechtsprechung und aktueller sozialwissenschaftlicher wie psychologischer Erkenntnisse ermittelt die Autorin die immer noch bestehenden Schwachstellen in der Gutachtenpraxis und entwickelt Verbesserungsvorschläge von der Notwendigkeit der Einholung eines Gutachtens bis zu dessen Verwertung.

Show Summary Details
Restricted access

7. Kapitel: Gesamtfazit und Ausblick

Extract

← 272 | 273 →

7.  Kapitel: Gesamtfazit und Ausblick

A.  Zusammenfassende Thesen

1. Die Etablierung der Familienrechtspsychologie hat die Entwicklungen im Kindschaftsrecht wesentlich geprägt. Durch den familienpsychologischen Sachverständigen wird für die Sachverhaltsermittlung notwendiges psychologisches Fachwissen in das kindschaftsrechtliche Verfahren eingebracht, welches den Familienrichtern in aller Regel fehlt.

2. Der psychologische Sachverständige nimmt eine Sonderstellung in Kindschaftssachen ein. Im Vergleich zu den anderen am Verfahren beteiligten Professionen (Verfahrensbeistand, Mitarbeiter des Jugendamtes) verfügt er über diagnostische und analytische Datenerhebungsmethoden zur Erlangung wissenschaftlich gesicherter Prognosen für die Entwicklungsbedingungen des Kindes. Gleichzeitig ist er mittlerweile in vielen Bereichen (Ablehnungsgründe, § 406 ZPO; eigenverantwortliches Hinwirken auf Einvernehmen, § 163 Abs. 2 FamFG) dem Familienrichter nahezu gleichgestellt und fungiert als dessen Berater.

3. Es besteht eine unbestreitbare faktische Einflussnahme des familienpsychologischen Sachverständigen auf die gerichtliche Entscheidung. Zudem verstärkt sich durch die Einholung eines solchen Gutachtens der Zielkonflikt kindschaftsrechtlicher Verfahren, möglichst schnell eine zuverlässige Grundlage für eine am Kindeswohl orientierte Entscheidung zu erlangen.

4. Umso wichtiger ist es, dass die Familiengerichte im Rahmen ihrer Amtsermittlungspflicht die Sachverständigen umfassend anleiten, um die Kontrolle über den Begutachtungsprozess und das Verfahren zu behalten. Den mit einer Begutachtung einhergehenden Risiken (faktische Präjudizierung, Belastung der Beteiligten und Verzögerung des Verfahrens) ist durch die frühzeitige Beauftragung, die Setzung einer angemessenen Frist und die Formulierung konkreter Beweisfragen entgegenzuwirken.

5. Das Gelingen einer notwendigen am Kindeswohl orientierten Zusammenarbeit zwischen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.