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Familienpsychologische Sachverständigengutachten in Sorge-, Umgangs- und Kindeswohlgefährdungsverfahren

Zur effektiven Einbeziehung von psychologischen Sachverständigen in kindschaftsrechtlichen Verfahren zum Wohle des Kindes

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Meike Löwer

In jüngerer Zeit gerieten familienpsychologische Sachverständigengutachten in Kindschaftssachen zunehmend in Kritik. Aufgrund des besonderen Stellenwertes von Gutachten für den Verfahrensausgang sind Mängel bei deren Erstellung und Verwertung unbedingt zu vermeiden. Es existieren nur wenige gesetzliche Regelungen, die die Gutachtenqualität nicht hinreichend sichern können. Dem Missstand nahm sich der Gesetzgeber mit der Reform des Sachverständigenrechts 2016 an. Unter Berücksichtigung hierzu ergangener Rechtsprechung und aktueller sozialwissenschaftlicher wie psychologischer Erkenntnisse ermittelt die Autorin die immer noch bestehenden Schwachstellen in der Gutachtenpraxis und entwickelt Verbesserungsvorschläge von der Notwendigkeit der Einholung eines Gutachtens bis zu dessen Verwertung.

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Einleitung

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A.  Besonderheiten kindschaftsrechtlicher Verfahren

Kindschaftsrechtliche Verfahren betreffen immer den sensiblen Bereich der Familie, die nach Art. 6 Abs. 1 GG unter besonderem verfassungsrechtlichem Schutz steht. Die Norm gilt als eine der komplexesten unserer Verfassung, denn sie vereint gleich drei Grundrechtsdimensionen (Abwehrrecht, Institutsgarantie und wertentscheidende Grundsatznorm), die das staatliche Handeln beeinflussen.1 Die hierbei in Rede stehenden Grundrechtspositionen der Eltern2 und des Kindes3 bilden das Fundament unseres gesellschaftlichen und familiären Zusammenlebens und bedürfen deshalb des besonderen Schutzes gegenüber staatlichen Eingriffen. Gleichzeitig obliegt es dem Staat, in seiner Wächterfunktion (Art. 6 Abs. 2 S. 2 GG) sowohl Eltern als auch Kind (notfalls vor sich selbst) zu schützen.4 Das Schicksal des Kindes und der Familie wird in die Hände der Familiengerichte gelegt. Deshalb obliegt den Familiengerichten die Verantwortung, den Sachverhalt sorgfältig zu ermitteln und das Verfahren gewissenhaft zu leiten und zu entscheiden (§ 26 FamFG). In ständiger Rechtsprechung betont das BVerfG, dass die Familiengerichte unter Ausschöpfung der zur Verfügung stehenden Erkenntnisquellen den Sachverhalt bestmöglich aufzuklären haben, ← 1 | 2 → um eine hinreichende Grundlage für eine am Kindeswohl orientierte Entscheidung zu erlangen.5

Eine Besonderheit besteht in kindschaftsrechtlichen Verfahren darin, dass die Familiengerichte anders als in den klassischen Zivilgerichtsverfahren nicht über in der Vergangenheit abgeschlossene Sachverhalte zu entscheiden haben, sondern sich den Sachverhalt erst erarbeiten müssen.6 Erschwert wird dies dadurch, dass sich die Tatsachengrundlage während des laufenden Verfahrens stetig verändert, insbesondere Verhaltensweisen und Empfindungen durchweg Wandlungen...

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