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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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Schlussbemerkung

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Mein Überblick enthält neben ungewollten, aber wohl unvermeidlichen Solipsismen auch bewusst in Kauf genommene Lücken: kein Forschungsbericht zur Übersetzung des Komischen (siehe Santana López 2012: 9–35), Vernachlässigung der Nachkriegszeit, nichts über die DDR (trotz vieler amüsanter Humor-Bücher aus dem Berliner Eulenspiegel Verlag), kein Wort über die unübersehbare Präsenz von Frauen als Stand-up-Comedians seit der Jahrtausendwende, angefangen von Anke Engelke bis zu Carolin Kebekus.

Das größte Defizit beim Thema Komik ist die generelle Abwesenheit der Frauen. Man fragt sich, ob die Komikproduktion vor dem 21. Jahrhundert eine reine Männerdomäne war. Immerhin gab es bereits im Späten Mittelalter das Liederbuch der Clara Hätzlerin (1471), in dem ich schon als Student auf einige erstaunlich komische Verslein stieß. Ich hätte wohl auch ein Wort über die witzigen Komödien der Gottschedin (1713–1762), der jungen Ehefrau des damaligen Literaturpapstes, einfügen sollen. Und im 20. Jahrhundert gehört zweifellos Irmgard Keun (1905–1982) mit ihrer feinen ironischen Sprachkomik in jede historische Darstellung komischer Schreibweisen. Ein Blick in drei repräsentative Anthologien kann das Frauenproblem der Komik und das Komikproblem der Frauen in der nüchternen Sprache der Statistik verdeutlichen:

– In der mehrmals zitierten Lyrik-Anthologie von Gernhardt / Zehrer (2006) stehen fünf Gedichte von Friederike Kempner (1836–1904), allerdings als Musterbeispiele für unfreiwillige Komik; ein Gedicht von Mascha Kaléko (1907–1975); zwei von Christa Reinig (1926–2008); fünf von Gernhardts...

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