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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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3. Kapitel. Zum Komikpotential der hochdeutschen Sprache

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Abstract: Punning has never had the same standing in German as in English or French. The linguistic material of Standard German, with its abhorrence of homonyms and preference for precision, is not inclined towards playful ambiguity. There is an obvious respect for the individual word, or even morpheme, inscribed into the German language, thereby preventing words from merging easily into the sound stream.

Es gibt ein etwas polemisches Buch, das den Titel trägt Volk ohne Witz. Über ein deutsches Defizit (Best 1993). Darin macht der Autor den Versuch, das Klischee, die Deutschen seien humorlos, zu begründen, indem er sprach- und kulturgeschichtliche Ursachen benennt. Oft ist ja an solchen Stereotypen etwas dran, wie man sagt. In Deutschland gibt es z. B. die stereotypen Behauptungen (und die entsprechenden Witze), die Schwaben seien geizig, die Ostfriesen dumm, die Spanier seien Machos, die Franzosen frivol usw. In allen Kulturen gibt es solche Vorurteile gegenüber eigenen Regionen und anderen Nationen, die in zahlreichen Bildern und Witzen ausgebeutet und selten ganz aufgegeben werden.

Schauen wir uns an, wie das Klischee über die deutsche Humorlosigkeit eventuell begründet war und wie es entstanden ist. Untersuchen wir zunächst die deutsche Sprache als Komikmaterial. Die Frage lautet also zunächst: gibt es in der deutschen Sprache irgendwelche Hindernisse für die Produktion von Komik?

3.1 Pun und Kalauer

In der deutschen Literatur und im deutschen Theater kommen Wortspiele nicht so oft vor wie in England,...

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