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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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6. Kapitel. Arbeitsethos contra Komik

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Abstract: Max Weber’s thesis about the Protestant ingredients in capitalism was clearly developed with attention to the religious North-South-divide of Germany. The North favoured the Calvinist Prussian virtues of seriousness, order and discipline, combined with a protestant ‚work ethic‘ and its refusal of superficiality, whereas the catholic South stuck to its medieval traditions of carnevalistic excesses.

Die Komiktradition wurde auch durch die deutsche Tradition eines strengen Protestantismus gebremst. Die protestantisch-preußischen Tugenden der Ordnung, der Disziplin, der Pflicht, des Fleißes, der Pünktlichkeit, der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sind die Stützen einer puritanischen Ethik. Der Puritanismus ist komik- und theaterfeindlich. Der Soziologe Max Weber (1864–1920) charakterisierte in seiner Religionssoziologie die kalvinistische Einstellung zum Leben als innerweltliche Askese; das heißt, der arbeitende Mensch lebt wie ein Asket in der Welt. Max Weber sah die Entstehung des modernen Kapitalismus als Folge dieser kalvinistisch-asketischen Haltung, die lieber arbeitet, spart und investiert, als sich in der Gegenwart zu vergnügen. Durch den Protestantismus ist zum ersten Mal in der Geschichte ein Arbeitsethos entstanden. Vor Luther war der Begriff der Arbeit etwas Negatives. Durch den Protestantismus wird die Arbeit aufgewertet, der Beruf wird als Berufung verstanden und mit der Prädestinationslehre verbunden: der berufliche Erfolg gilt als Hinweis, dass man wahrscheinlich zu den von Gott Auserwählten gehört. Die Erzählung des katholischen Romantikers Joseph von Eichendorff Aus dem Leben eines Taugenichts (1826) steht in diametraler Opposition zu dieser kalvinistischen Arbeitsethik.

Die frommen Katholiken k...

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