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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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10. Kapitel. Funktionale und strukturelle Komiktheorien

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Abstract: All known humour theories can be divided into two types: functional ones, or structural ones. The functional theories see humour either as motivated by its social function, or by its function for the individual’s well-being. The structural theories try to isolate the humorous material in the objective verbal structure of the jocular text.

10.1 Die Münchhausiade der Abstraktion

Das 10. Kapitel meines Überblicks befasst sich mit den wichtigsten Komiktheorien, die bisher aufgestellt wurden. Zunächst soll versucht werden, diese Theorien logisch bzw. nachvollziehbar übersichtlich zu bündeln. Dazu bedarf es einer Methode, die uns erlaubt, quasi aus der Vogelperspektive auf die Vielfalt der komischen Ereignisse herabzublicken. Wir müssen uns also wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Einzelheiten herauszuziehen versuchen, um nach oben zu gelangen. Die Möglichkeit dazu liefert uns die Schubkraft der wissenschaftlichen Abstraktion.

Wir haben mehrmals gehört, dass Komik im konkreten Fall immer rezipientenabhängig ist. Etwas ist komisch für jemanden. Etwas wird von jemandem als komisch empfunden. Wenn wir aber wissen wollen, was als komisch empfunden werden kann, müssen wir von den Rezipienten abstrahieren. Weshalb? Wenn wir von den Rezipienten ausgingen, müssten wir als empirische Sisyphusse unendlich viele Kieselsteinchen den Berg hinaufrollen, wir müssten unendlich vielfältige individuelle, historische, kulturelle Unterschiede einbeziehen – und das wäre für eine allgemeine Komiktheorie nicht nur zu kompliziert, es würde auch höchstens zur momentanen Festschreibung nichtssagender statistischer Aussagen...

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