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Muße – Faulheit – Nichtstun

Fehlende und fehlschlagende Handlungen in der russischen und europäischen Literatur seit der Aufklärung

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Edited By Sonja Koroliov and Andrea Zink

Ob Muße oder Faulheit, ob Kontemplation oder provokatives Nichtstun – diese und weitere Formen fehlenden und fehlschlagenden Handelns sind Themen der europäischen und besonders der russischen Literatur seit der Aufklärung. Die Beitragenden behandeln verschiedene Aspekte des Nicht-Tuns und Nichtstuns: von den glücklichen Müßiggängern des 18. Jahrhunderts über Gončarovs Helden Oblomov, der es kaum aus dem Bett und in die Pantoffeln schafft, bis hin zu den Müdigkeitsdiskursen einer desillusionierten Moderne. Dieser Band zeichnet eine Geschichte der Skepsis gegenüber dem Tun, die jenseits der alten wie neuen Arbeitsideologien einen Raum authentischer Humanität und menschlicher Freiheit eröffnet.

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Staatsdienst, Faulheit und „süße Muße“ in der russischen Literatur des 18. Jahrhunderts (Joachim Klein)

Staatsdienst

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Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 91 (2017), 19-37

Joachim Klein

STAATSDIENST, FAULHEIT UND „SÜSSE MUSSE“ IN DER RUSSSISCHEN LITERATUR DES 18. JAHRHUNDERTS

„Beatus ille, qui procul negotiis...“

Faulheit (len’, lenost’) und Müßiggang (prazdnost’) waren beliebte Themen der russischen Literatur im 18. Jahrhundert (Engel-Braunschmidt 2006). Eins von zahlreichen Beispielen findet man in der Moralischen Wochenschrift N. I. Novikovs (1744-1818) mit dem sprechenden Namen Die Drohne (Truten’, 1769-1770). Als Herausgeber meldet sich hier ein junger Edelmann zu Wort, der seiner Zeitschrift alle Ehre macht und es im Müßiggang sogar mit den „allerfaulsten Spaniern“ aufnehmen kann. Dieser Proto-Oblomov hat keine Lust, sich anzukleiden und ist daher imstande, manchmal eine ganze Woche lang nicht aus dem Haus zu gehen. „Aus Faulheit“ hat er noch keinen Dienst angetreten, denn „kein einziger Dienst entspricht seinen Neigungen“. Der Militärdienst ist ihm zu „unruhig“, der Zivildienst zu „betriebsam“, und auch der Dienst bei Hofe lockt ihn nicht, denn er ist zu faul, die „Kunst des Sichverstellens“ zu erlernen (Truten’ 1769-1770, 45 f.).

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