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Muße – Faulheit – Nichtstun

Fehlende und fehlschlagende Handlungen in der russischen und europäischen Literatur seit der Aufklärung

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Edited By Sonja Koroliov and Andrea Zink

Ob Muße oder Faulheit, ob Kontemplation oder provokatives Nichtstun – diese und weitere Formen fehlenden und fehlschlagenden Handelns sind Themen der europäischen und besonders der russischen Literatur seit der Aufklärung. Die Beitragenden behandeln verschiedene Aspekte des Nicht-Tuns und Nichtstuns: von den glücklichen Müßiggängern des 18. Jahrhunderts über Gončarovs Helden Oblomov, der es kaum aus dem Bett und in die Pantoffeln schafft, bis hin zu den Müdigkeitsdiskursen einer desillusionierten Moderne. Dieser Band zeichnet eine Geschichte der Skepsis gegenüber dem Tun, die jenseits der alten wie neuen Arbeitsideologien einen Raum authentischer Humanität und menschlicher Freiheit eröffnet.

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Muße-Konzeptionen: Theorie und Praxis am Beispiel von Handarbeiten im Russland des 19. Jahrhunderts (Elisabeth Cheauré)

1. Muße, Weiblichkeit und Handarbeiten: Zur Aktualität des Themas

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Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 91 (2017), 39-65

Elisabeth Cheauré

MUSSE-KONZEPTIONEN: THEORIE UND PRAXIS AM BEISPIEL VON HANDARBEITEN IM RUSSLAND DES 19. JAHRHUNDERTS

Sonntagslektüre, Muße, entspannte Atmosphäre einer deutschen Provinzstadt: Der Sonntag in Freiburg (01.02.2015) meldet die meist verkauften Sachbücher einer Buchhandlung vor Ort. Unter den fünf Titeln zwei für unsere Fragestellung einschlägige: Einfach liegen lassen. Das Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun (Perry 2012) und Hört auf zu arbeiten! Eine Anstiftung, das zu tun[,] was wirklich zählt (Förster/Kreuz 2013). Das Angebot bestätigt: Die einschlägige Ratgeberliteratur boomt. Durch heute provokant wirkende Titel wie „Lob der Faulheit. Warum Disziplin und Arbeitseifer uns nur schaden“ (Hohensee 2012) geraten möglicherweise prominente Referenztexte (Lessing, Lob der Faulheit, 1771 oder Kazimir Malevičs Essay Len’ kak dejstvitel’naja istina čelovečestva, 1921; „Die Faulheit als tatsächliche Wahrheit der Menschheit“) etwas in Vergessenheit.

Arbeit, Nichtstun, Freizeit, Entspannung, Chillen, Faulheit, Muße... Kaum ein Themenfeld scheint in der schnelllebigen und sich immer stärker dynamisierenden Zeit von heute spannungsreicher und aktueller zu sein. Es werden fundamentale Fragen berührt, nicht zuletzt die nach dem ‚richtigen Leben‘ und seinem Sinn überhaupt. Die genannten trivialen Sedimente in Form von Ratgeberliteratur – viele wären anzuführen – lassen die Probleme der modernen Welt mit ihren Fortschrittsverheißungen und Effizienzsteigerungen, vor allem aber die Frage nach der normativen Gewalt des Zeittempos (so hat der Soziologe Hartmut Rosa (Rosa 2005, 463) die...

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