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Muße – Faulheit – Nichtstun

Fehlende und fehlschlagende Handlungen in der russischen und europäischen Literatur seit der Aufklärung

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Edited By Sonja Koroliov and Andrea Zink

Ob Muße oder Faulheit, ob Kontemplation oder provokatives Nichtstun – diese und weitere Formen fehlenden und fehlschlagenden Handelns sind Themen der europäischen und besonders der russischen Literatur seit der Aufklärung. Die Beitragenden behandeln verschiedene Aspekte des Nicht-Tuns und Nichtstuns: von den glücklichen Müßiggängern des 18. Jahrhunderts über Gončarovs Helden Oblomov, der es kaum aus dem Bett und in die Pantoffeln schafft, bis hin zu den Müdigkeitsdiskursen einer desillusionierten Moderne. Dieser Band zeichnet eine Geschichte der Skepsis gegenüber dem Tun, die jenseits der alten wie neuen Arbeitsideologien einen Raum authentischer Humanität und menschlicher Freiheit eröffnet.

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Macht nichts! – Zur Problematik verantwortlichen Handelns bei Onegin, Pečorin und Oblomov (Sonja Koroliov)

Evgenij Onegin

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Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 91 (2017), 101-119

Sonja Koroliov

MACHT NICHTS! – ZUR PROBLEMATIK VERANTWORTLICHEN HANDELNS BEI ONEGIN, PEČORIN UND OBLOMOV

Im Jahre 1760, also ziemlich genau ein Jahrhundert vor dem Erscheinen des Oblomov, schrieb Voltaire in einem Brief an Theriot: „Leben ist Arbeiten“ (Voltaire 1972, 361). Schon im Candide führt er aus: „Arbeit schützt uns vor drei großen Übeln: Langeweile, Laster und materieller Not.“1 Noch einige Jahre zuvor allerdings bricht Pierre Carlet de Marivaux eine Lanze für die Faulheit. Er reichte einen Beitrag zu einem Sammelband der Société du Bout-du-Banc ein, und zwar unter dem Titel Éloge de la Paresse (Lob der Faulheit), wo unter anderem zu lesen war:

      Faulheit hat ihre eigene Gerechtigkeit; sie müsste ihre eigene Lässigkeit aufgeben, um Unrecht zu tun oder es zu verlängern. Sie ist nicht fähig, einen Prozess anzustrengen, oder auch nur zu unterstützen. Auch Verleumdung und Satire kann der Faulheit nicht zugeschrieben werden. (Anon 1778, 456)2

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