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Muße – Faulheit – Nichtstun

Fehlende und fehlschlagende Handlungen in der russischen und europäischen Literatur seit der Aufklärung

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Edited By Sonja Koroliov and Andrea Zink

Ob Muße oder Faulheit, ob Kontemplation oder provokatives Nichtstun – diese und weitere Formen fehlenden und fehlschlagenden Handelns sind Themen der europäischen und besonders der russischen Literatur seit der Aufklärung. Die Beitragenden behandeln verschiedene Aspekte des Nicht-Tuns und Nichtstuns: von den glücklichen Müßiggängern des 18. Jahrhunderts über Gončarovs Helden Oblomov, der es kaum aus dem Bett und in die Pantoffeln schafft, bis hin zu den Müdigkeitsdiskursen einer desillusionierten Moderne. Dieser Band zeichnet eine Geschichte der Skepsis gegenüber dem Tun, die jenseits der alten wie neuen Arbeitsideologien einen Raum authentischer Humanität und menschlicher Freiheit eröffnet.

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„Vivevo in una simulazione di attività. Un’ attività noiosissima.“ Müdigkeitsdiskurse bei Angelo Mosso und Italo Svevo (Sabine Schrader)

Einleitung

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Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 91 (2017), 151-160

Sabine Schrader

„VIVEVO IN UNA SIMULAZIONE DI ATTIVITÀ. UN`ATTIVITÀ NOIOSISSIMA.“1 MÜDIGKEITSDISKURSE BEI ANGELO MOSSO UND ITALO SVEVO

Den Protagonisten in Italo Svevos Romanen Una vita (1892), Senilità (1898) und La coscienza di Zeno (1923) fehlen sowohl die ökonomischen Voraussetzungen als auch die Gabe zur Müßigkeit. In Una vita zieht Alfonso Nitti vom Land in die Stadt und arbeitet zunächst in einer Bank, dabei fühlt er sich doch zur Literatur berufen. Letztere Berufung teilt er mit Emilio Brentano aus Senilità, Angestellter einer Versicherungsgesellschaft, der zwar seit Jahren nichts mehr geschrieben hat, aber nichtsdestoweniger im kleinsten Kreise als Zukunftshoffnung gepriesen wird. (Svevo 1985c, 8) Zeno Cosini schreibt bekanntlich 20 Jahre später aus ganz anderen Gründen, wird er doch von seinem Psychoanalytiker dazu angehalten, der wiederum die Aufzeichnungen aus Rache für Zenos Therapieverweigerung veröffentlichen wird. Auch das Nichtstun geht den Protagonisten Svevos nicht so einfach von der Hand, so versucht beispielsweise Zeno Cosini permanent Denk- und Arbeitsaktivitäten zu simulieren, eine Aktivität, die ihn dann wiederum langweilt. Dennoch sind die drei Protagonisten – trotz aller Unterschiede – Bummelanten par excellence, aber die positive bzw. subversive Konnotierung fehlt ihrem Tun.

Der Diskurs der Müdigkeit setzt sich in den Romanen von Svevo an die Stelle des Müßiggangs wie überhaupt Ermüdung und nicht Müßiggang zum Unbehagen der industrialisierten Gesellschaft avanciert (Rabinbach 2001, 48), was wiederum in den Romanen zu...

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