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Patrizier – Wege zur städtischen Oligarchie und zum Landadel

Süddeutschland im Städtevergleich. Unter Mitarbeit von Marc Holländer

Edited By Wolfgang Wüst

Die Beiträge dieses Tagungsbandes untersuchen das Phänomen der Patrizier auf dem Weg zur städtischen Oligarchie und zum Landadel. Der Schwerpunkt liegt auf der Stadt Nürnberg, wobei auch die Führungsschichten anderer süddeutscher Städte betrachtet werden. Mit Hilfe der komparatistischen Methode und damit dem Vergleich als landeshistorischer Tradition beleuchten und definieren die Beiträger den Begriff der «Patricii» als Bezeichnung der Geschlechter kritisch, wobei sie auch auf die mittelalterliche Bezeichnung der «Herren» und «vornehmen Geschlechter» eingehen.

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Einführung

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Wolfgang Wüst

Die politisch, sozial und wirtschaftlich führenden Schichten in der süddeutschen Städtelandschaft – im Mittelalter bezeichnete man sie schlicht noch als „herren“ oder „geschlechter“ – erfuhren im Humanismus eine an antiken Vorbildern vorgenommene Neujustierung. Angehörige der reichsstädtischen Oligarchie wurden zuerst in Grabinschriften und lateinischen Quellen seit dem späten 15. und frühen 16. Jahrhundert1 als „patricii“ bezeichnet; deutsche Quellen bezeichneten diese ratsfähigen Geschlechter als „patricier“ oder als „patricische geschlechter“. Karl Heinrich Roth von Schreckenstein sprach 1856 in seiner umfangreichen Abhandlung zum Patriziat in deutschen Städten von Ministerialen und „Altbürgern“, deren Spuren mitunter direkt ins Patriziat führten.2 Ihr gesellschaftliches Engagement brachte dann einigen Reichsstädten in der frühen Neuzeit nochmals eine späte Blüte. Zugleich öffneten Patrizier die Tore der alten Reichsstädte hin zu den Landgütern und Familienschlössern, in die sich die städtische Elite seit dem späten Mittelalter einkaufte. Das galt gleichermaßen für Reichsstädte mit ausgedehntem Land- und Spitalsbesitz wie Ulm3, Nürnberg4, Schwäbisch-Hall ← 17 | 18 →oder Rothenburg ob der Tauber5, oder für Städte wie Augsburg6, Regensburg7 oder Schweinfurt8, die ohne ein namhaftes Landgebiet auskamen. Zu wenig wissen wir noch immer über ihr kulturelles Engagement und über die Ausstattung und Bestände ihrer Bibliotheken. Untersuchungen zu patrizischen Privat- und Gelehrtenbibliotheken, wie sie 2002 Renate Jürgensen abschloss, sind leider allzu selten geblieben.9 Und welche Inhalte zählten zum Kanon patrizischer Hauserziehung? Unterschied sie sich von der...

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