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„… in tausend schimmernden Klangfarben …“

Glanz und Schatten der gitarristischen Virtuosität im 19. Jahrhundert – eine Untersuchung der Spielpraxis

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Leila Gudlin

Die gitarrenbezogene historische Auffassung der Virtuosität sowie die Verbalisierung spielpraktischer Ansätze aus dem 19. Jahrhundert sind die Hauptthemen dieses Bandes. Die Untersuchung der Virtuosität basiert auf einer vergleichenden Analyse zwischen Bearbeitungen und deren Vorlagen, welche durch das Heranziehen von Gesangslehrbüchern, Instrumentalschulen und Konzertberichten ergänzt wird. Der Klang und die unterschiedlichen Klangkonzepte wie z. B. die musikalische Gestaltung mit Klangfarben oder das instrumentale Singen bilden den Kern der gitarristischen Virtuosität und werden praxisnah dargelegt.

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4 „L’art du chant appliqué à la guitare“

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Die intensive Auseinandersetzung der Gitarristen mit dem Klang zeigt sich in der Suche nach einem lange anhaltenden Ton. Konzertrezensionen machen deutlich, dass das schnelle Verklingen als gravierender Nachteil der Gitarre empfunden wird. Gitarren mit zusätzlichen Saiten sowie gitarrenähnliche Instrumente wie Harpolyra oder Guitarre d’amour sollen diesen Mangel kompensieren. Auch in der Spielpraxis machen sich Bemühungen bemerkbar, einen möglichst lange nachklingenden Ton zu erzeugen, soweit es die technischen Gegebenheiten des Instrumentes erlauben. Darüber hinaus ist die Idee des ‚instrumentalen Singens‘ bei denjenigen Instrumenten von großer Bedeutung, die keinen anhaltenden Klang produzieren können. Bearbeitungen von Vokalwerken und Gesangsschulen liefern wertvolle Informationen zu dieser Spielpraxis.

Vokalwerke wurden häufig für Gitarre oder Pianoforte bearbeitet. Diese Bearbeitungen stellen die Klangeigenschaften der Stimme, die einen konstant andauernden Klang produzieren kann, denen der Gitarre oder des Pianofortes gegenüber, deren Ton nach dem Anschlag verklingt. Trotz dieser Klangunterschiede gilt das Singen als Ideal, und das Konzept des instrumentalen Singens auf dem Pianoforte und der Gitarre bildet im 19. Jahrhundert einen wichtigen Teil der Spielpraxis. Der Kern dieses Konzepts ist es, durch zahlreiche spielpraktische Strategien einen anhaltenden Klang vorzutäuschen. Die Grundzüge des instrumentalen Singens werden in Abschnitt 4.1 besprochen. Durch Berichte über technische Möglichkeiten der Gitarre sowie durch Rezensionen von Gitarrenkonzerten wird das instrumentale Singen in der Gitarrenspielpraxis belegt. Mangels entsprechender gitarrenbezogener Quellen werden allerdings Pianofortelehrbücher herangezogen, die sich mit diesem Thema befassen. Anhand dieser Quellen werden die konkreten Strategien des...

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