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Theologie und politische Theorie

Kritische Annäherungen zwischen zeitgenössischen theologischen Strömungen und dem politischen Denken von Jürgen Habermas

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Eneida Jacobsen

Im Dialog mit der Politik- und Gesellschaftstheorie von Jürgen Habermas und gegenwärtigen theologischen Ansätzen, vor allem der Befreiungstheologie und der Öffentlichen Theologie, arbeitet diese Studie das demokratiepolitische Potential einer lebensweltlich verankerten Theologie heraus. Die Autorin zeigt auf, inwiefern die Rezeption alltäglicher Erfahrungen und Symbole sowohl den befreiungstheologischen Diskurs verändert als auch das politische System einer Gesellschaft näher mit den konkreten Lebensbezügen der Menschen vernetzt. Dadurch erweist sich Theologie auf neue Weise als gesellschaftspolitisch relevant. Zugleich sind die alltäglichen Erfahrungen von Menschen in ihrer theologischen Bedeutung zu würdigen. Aus dieser Vermittlung von Gesellschaftsanalyse, Theorie der Lebenswelt und kritischer Rekonstruktion christlicher Praxis erwächst eine neue Gestalt von Befreiungstheologie, die die Bedeutung des Lebensweltlichen für die gesellschaftliche Öffentlichkeit deutlicher zur Geltung bringt.

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1. Theoretischer Kontext: Habermas und die Theologie

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Mit dem Entstehen des historischen Bewusstseins innerhalb der Theologie34 und der folgerichtigen Behauptung, dass alles Denken historisch relativ ist, erschloss sich der Weg zu einer breiten Vielfalt von historischen Studien über den Kontext der Redaktion und theologischen Deutung der Bibel und der in ihr erzählten Ereignisse.35 Zugleich wurde eine zunehmende theologische Rezeption von ← 43 | 44 → Studien auf den Gebieten der Anthropologie, der Wirtschaftswissenschaften, der Geschichte, der Soziologie, der Psychologie und unterschiedlicher Denktraditionen der Philosophie angeregt.36 Die breite Rezeption Habermas’ innerhalb der Theologie spiegelt diese Initiative des Dialogs mit Denktraditionen wider, die dazu beitragen, das Verhältnis zwischen historischen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten einerseits und die Herausbildung und Anwendung von Wissen andererseits intelligibel zu machen. Francis Schüssler Fiorenza behauptet im Hinblick auf die politische Theologie, es sei dieser Disziplin nicht möglich, ihre religiöse und moralische Tradition unmittelbar in eine ihr entsprechende gesellschaftliche und politische Praxis umzusetzen; sie muss sich mit Theorien beschäftigen, die sich der Gesellschaft, der Sozialethik und der Politik widmen.37 Habermas bietet eine umfassende Theorie an, die die gesellschaftliche Wirklichkeit vom Standpunkt der Sprache und der Kommunikation her betrachtet – das sind Themen von großem Interesse für die Theologie, das heißt für das „Sprechen über Gott“, insbesondere, sofern es um einen Gott geht, der sich geschichtlich in Wort und Tat offenbart, indem er mit seiner Schöpfung in Wechselwirkung tritt, die ihrerseits nach seinem Bild gestaltet und auch des Wortes und der Tat fähig ist.

In diesem...

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