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Theologie und politische Theorie

Kritische Annäherungen zwischen zeitgenössischen theologischen Strömungen und dem politischen Denken von Jürgen Habermas

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Eneida Jacobsen

Im Dialog mit der Politik- und Gesellschaftstheorie von Jürgen Habermas und gegenwärtigen theologischen Ansätzen, vor allem der Befreiungstheologie und der Öffentlichen Theologie, arbeitet diese Studie das demokratiepolitische Potential einer lebensweltlich verankerten Theologie heraus. Die Autorin zeigt auf, inwiefern die Rezeption alltäglicher Erfahrungen und Symbole sowohl den befreiungstheologischen Diskurs verändert als auch das politische System einer Gesellschaft näher mit den konkreten Lebensbezügen der Menschen vernetzt. Dadurch erweist sich Theologie auf neue Weise als gesellschaftspolitisch relevant. Zugleich sind die alltäglichen Erfahrungen von Menschen in ihrer theologischen Bedeutung zu würdigen. Aus dieser Vermittlung von Gesellschaftsanalyse, Theorie der Lebenswelt und kritischer Rekonstruktion christlicher Praxis erwächst eine neue Gestalt von Befreiungstheologie, die die Bedeutung des Lebensweltlichen für die gesellschaftliche Öffentlichkeit deutlicher zur Geltung bringt.

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3. Öffentlichkeit und Theologie

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In dem Maße, in dem sich die alltägliche kommunikative Interaktion über direkte Begegnungen hinaus ausweitet und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen umfasst, bildet sie eine Arena politischer Kommunikation, in der eine Gesellschaft Themen diskutiert, die in ihrem Interesse liegen, um gemeinsame Lösungen zu finden. Diese weiter gefasste Interaktion – die über Medien wie Zeitungen, Bücher, Rundfunk und Internet erfolgt – bildet das, was Habermas die Öffentlichkeit nennt: ein kommunikatives Netz, das es dem politischen System ermöglicht, von den Problemen Kenntnis zu nehmen, die zunächst auf der Ebene der Lebenswelt wahrgenommen wurden. Durch Bildung der öffentlichen Meinung stellt die Öffentlichkeit die Verbindung her zwischen der kommunikativen Macht, die aus der Lebenswelt hervorgeht, und der formal im politischen System organisierten administrativen Gewalt. In den gegenwärtigen Gesellschaften wurde der Begriff einer öffentlichen Meinung, die in der Lage ist, Einfluss auf das politische System auszuüben, so zentral, dass er selbst da, wo es keine Öffentlichkeit im politischen Sinne des Ausdrucks gibt, tendenziell simuliert wird.383 Wie anders könnte man denn das Interesse der Medien erklären, öffentliche Diskussionen zu manipulieren? In Lateinamerika ist das Entstehen einer politisch einflussreichen Öffentlichkeit mit der Organisation neuer gesellschaftlicher Akteure seit den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts verbunden. Diese Entwicklung wurde in Brasilien mit der Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 erschwert, doch es entstanden auch Gruppen, die politischen Widerstand leisteten. Mit den neuen kollektiven Akteuren bekamen Forderungen von traditionellerweise aus dem Prozess der politischen Entscheidungsfindung ausgeschlossenen Gruppierungen nach und nach...

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