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Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949–1989

Ein biografisches Handbuch

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Edited By Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Dieses Handbuch enthält die Biografien von 327 Todesopfern aus Ost und West, denen das DDR-Grenzregime zum Verhängnis wurde. Bei den Flüchtlingen, die erschossen, durch Minen und Selbstschussanlagen ums Leben kamen oder in Grenzgewässern ertranken, handelte es sich überwiegend um junge Menschen, die sich bewusst für den lebensgefährlichen Weg in die Freiheit und gegen die SED-Diktatur entschieden hatten. Zu ihrem Gedenken soll dieses Handbuch beitragen. Es enthält auch die Lebensgeschichten von Zivilpersonen aus beiden deutschen Staaten, die ohne Fluchtabsichten dem DDR-Grenzregime zum Opfer fielen, und weiterhin die Schicksale von deutschen und sowjetischen Deserteuren, deren Fahnenfluchten an der DDR-Grenze tödlich scheiterten. Zusätzliche biografische Angaben widmen sich Grenzsoldaten, die aus Verzweiflung über die Zwänge des Dienstes in den Grenztruppen Suizid begingen, sowie jenen DDR-Grenzwächtern, die von westlicher Seite, von Fahnenflüchtigen oder von eigenen Kameraden, irrtümlich als Flüchtlinge erschossen wurden.

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Todesfälle in Ausübung des Grenzdienstes

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Siegfried Apportin

geboren am 13. November 1930 in Ostpreußen

erschossen am 2. Juli 1950

Ort des Zwischenfalls: Kommando Palingen, Grenzbrigade Schönberg (Mecklenburg-Vorpommern)

Siegfried Apportin kam als Vertriebener mit seiner Familie 1945 nach Güstrow. Der gelernte Maler meldete sich 1948 freiwillig zur Deutschen Grenzpolizei. Am 2. Juli 1950 war er mit seinem Posten, Volkspolizeianwärter Leo Knöpke, im Grenzeinsatz. Gegen 21.20 Uhr hörten zwei in der Nähe patrouillierende Posten ein schussartiges Geräusch. Gegen 21.30 Uhr benachrichtigte ein Posten des Kommandos Palingen-Dorf vom Fernsprecher des Kontrollpassierpunktes (KPP) Herrnburg die Wache der Kommandantur Herrnburg darüber, dass Wachtmeister Apportin auf Standposten II mit einem Kopfschuss am Kontrollpunkt aufgefunden wurde. Neben dem Toten lag Knöpkes entsicherter Karabiner. Der herbeigerufene Vertragsarzt der Grenzbereitschaft stellte den Tod Apportins durch Einschuss in den Mund fest. Volkspolizeianwärter Knöpke war verschwunden. Er stellte sich im Westen zunächst den britischen Besatzungstruppen, die ihn nach seiner Vernehmung der westdeutschen Polizei übergaben. Eine Verurteilung durch das Lübecker Landgericht wegen „vorsätzlicher Tötung“ endete laut Spiegel nach einer Revisionsentscheidung 1951 mit einer dreimonatigen Gefängnisstrafe wegen „fahrlässiger Tötung“. Die Strafe war jedoch bereits durch die vorherige Untersuchungshaft verbüßt. (Recherche: jk, jos., MK, MP; Autor: jos.)

Quellen:

DGP: Tagesrapporte März–Juli 1950. BArch Freiburg, DVH 27/130324.

Abteilung Sicherheit des ZK der SED; Borning, Walter: Mitteilung an Erich Honecker vom 15. April...

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