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Goethes Römisches Haus

Ein Freimaurertempel

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Almut Constanze Nickel

Die vorliegende Studie befaßt sich mit Goethes Werk und Wirken in Weimar und fragt nach der Relevanz, die der Freimaurerei für eine Deutung der darin enthaltenen Lebensspuren zukommt. Wie umfassend Goethe bestrebt war, seine Lebenswelt mit einem dichten System von Symbolen und Zeichen zu besetzen, wird zunächst an der Baugeschichte des Römischen Hauses gezeigt. Die Entschlüsselung der durch sie gegebenen Hinweise kommt ohne den Rekurs auf Goethes maurerische Interessen nicht aus. Dies zu erkennen, verlangte einen interdisziplinären Ansatz, mit dem die Studie bisher übliche Fragestellungen überschreitet. Ein aufschlußreiches Moment bildet in diesem Zusammenhang der Lebensbund Goethes mit Carl August von Sachsen-Weimar. Beide Freimaurer schöpften aus ihm eine Fülle von privaten Verweisungen und persönlichen Bezugnahmen, mit denen sie den obligaten Kanon der maurerischen Symbolsprache ergänzten. Auf den Niederschlag, den die im Römischen Haus und im lebensgeschichtlichen Umfeld Goethes manifest gewordene Sinngebung in Goethes Dichtung gefunden hat, geht die Studie nach einer Deutung des «Märchens» im letzten Teil erweiternd ein.

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1. Methodologische Vorbemerkung

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Die vorliegende Studie befaßt sich mit Goethes Werk und Wirken in Weimar und fragt nach der Relevanz, die der Freimaurerei für eine Deutung der darin enthaltenen Lebensspuren zukommt. Ausgangspunkt für die daran anschließenden Beobachtungen war zunächst eine Besichtigung des Römischen Hauses im Park an der Ilm sowie die Konsultation der Forschungen zur Entstehung des Baues und seiner künstlerischen Ausgestaltung. Bei der Sichtung des Bildmaterials verfestigte sich zunehmend der Eindruck, daß der Entwurf dieses besonderen Gebäudes und seine Innengestaltung keinesfalls nur rein dekorativ zu verstehen seien. Im Fortgang des Untersuchungsprozesses sollte sich vielmehr zeigen, daß die Ausstattung als ein dichtes System symbolischer Motive und Zeichen sich verstehen läßt, in dem Goethes Privatsinngebung mit dem masonischen Bezugsrahmen eine enge Verbindung eingeht. Daran anschließend war die Verbindung zur Dichtung zu suchen, deren Anknüpfungspunkte vielfältiger als gemeinhin angenommen in Goethes Werk sich finden. Dies erforderte einen weiten Ausgriff auf Biographie und Werk, beginnend im ersten Jahrzehnt nach Goethes Ankunft in Weimar (1776–1786) und einen Rekurs auf frühere Lebensabschnitte (Frankfurt) bis zur Italienreise. Die Reise selbst (1786–1788), sowie die Zeit nach der Rückkehr bis zu Goethes letzten Lebensjahren bleiben für Goethes maurerische Lebenswelt prägend.

Anders als in bisherigen Veröffentlichungen zum Geheimbundwesen in Weimar und Goethes Beitrag dazu – in neueren Arbeiten durchaus kontrovers diskutiert – wird hier die Auffassung vertreten, daß die ästhetische Auseinandersetzung Goethes mit der Freimaurerei um vieles umfassender ist als bislang...

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