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Goethes Römisches Haus

Ein Freimaurertempel

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Almut Constanze Nickel

Die vorliegende Studie befaßt sich mit Goethes Werk und Wirken in Weimar und fragt nach der Relevanz, die der Freimaurerei für eine Deutung der darin enthaltenen Lebensspuren zukommt. Wie umfassend Goethe bestrebt war, seine Lebenswelt mit einem dichten System von Symbolen und Zeichen zu besetzen, wird zunächst an der Baugeschichte des Römischen Hauses gezeigt. Die Entschlüsselung der durch sie gegebenen Hinweise kommt ohne den Rekurs auf Goethes maurerische Interessen nicht aus. Dies zu erkennen, verlangte einen interdisziplinären Ansatz, mit dem die Studie bisher übliche Fragestellungen überschreitet. Ein aufschlußreiches Moment bildet in diesem Zusammenhang der Lebensbund Goethes mit Carl August von Sachsen-Weimar. Beide Freimaurer schöpften aus ihm eine Fülle von privaten Verweisungen und persönlichen Bezugnahmen, mit denen sie den obligaten Kanon der maurerischen Symbolsprache ergänzten. Auf den Niederschlag, den die im Römischen Haus und im lebensgeschichtlichen Umfeld Goethes manifest gewordene Sinngebung in Goethes Dichtung gefunden hat, geht die Studie nach einer Deutung des «Märchens» im letzten Teil erweiternd ein.

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2. Das Römische Haus – Realisation eines masonischen Bauprogramms

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Zur Entstehung

Der Bauplan des Römischen Hauses bezieht Eindrücke aus der Italienreise mit ein, die im Baukörper zunächst ins Auge fallen. So wird das Römische Haus auch als Ertrag von Goethes Aneignung antiker Bauformen auf der Italienreise verstanden. Es gilt überdies als eines der ersten klassizistischen Gebäude in Deutschland. Hervorstechendes bauliches Merkmal ist die Verbindung von dorischen Säulen im unteren Durchgang mit einer massiven Sockelrustika und dem ionischen Säulenportikus. Eine architektonische Verbindung, die die klassische Säulenordnung aufnimmt und Goethes Erlebnis auf Sizilien und Paestum spiegelt, war doch die Erschütterung bei Ansicht der dorischen Tempelruinen ein Höhepunkt seiner Italienreise gewesen. Die Baulehre des Vitruv (Vitruvii de architectura libri decem) und die Vermittlung antiker Baukunst durch Andrea Palladio (I quattro libri dell’ architectura, 1570), dessen Bauwerke Goethe beeindruckten, flossen in die Pläne des Römischen Hauses ebenso mit ein wie zahlreiche mythologische Referenzen, die gleichfalls im Zusammenhang mit dem Italienaufenthalt stehen. Schon dort war die Idee für den Bau eines von Carl August als Sommerhaus nutzbares Gebäude gegenwärtig, und so schrieb Goethe im Mai 1787 aus Neapel: „An Ihre Anlage habe ich oft gedacht … Gartenhäuser und Brunnen bringe ich mit.“7 Auch weiteren Mitteilungen, etwa über die Bekanntschaft mit dem Architekten Johann August Arens, ist das Interesse an römischen Villen für eine künftige Verwertbarkeit zu entnehmen. Die intensive Beschäftigung Goethes mit der Architektur verschiedener Epochen und Erhaltungszustände...

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