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Goethes Römisches Haus

Ein Freimaurertempel

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Almut Constanze Nickel

Die vorliegende Studie befaßt sich mit Goethes Werk und Wirken in Weimar und fragt nach der Relevanz, die der Freimaurerei für eine Deutung der darin enthaltenen Lebensspuren zukommt. Wie umfassend Goethe bestrebt war, seine Lebenswelt mit einem dichten System von Symbolen und Zeichen zu besetzen, wird zunächst an der Baugeschichte des Römischen Hauses gezeigt. Die Entschlüsselung der durch sie gegebenen Hinweise kommt ohne den Rekurs auf Goethes maurerische Interessen nicht aus. Dies zu erkennen, verlangte einen interdisziplinären Ansatz, mit dem die Studie bisher übliche Fragestellungen überschreitet. Ein aufschlußreiches Moment bildet in diesem Zusammenhang der Lebensbund Goethes mit Carl August von Sachsen-Weimar. Beide Freimaurer schöpften aus ihm eine Fülle von privaten Verweisungen und persönlichen Bezugnahmen, mit denen sie den obligaten Kanon der maurerischen Symbolsprache ergänzten. Auf den Niederschlag, den die im Römischen Haus und im lebensgeschichtlichen Umfeld Goethes manifest gewordene Sinngebung in Goethes Dichtung gefunden hat, geht die Studie nach einer Deutung des «Märchens» im letzten Teil erweiternd ein.

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4. Masonische Motive in Goethes Dichtung

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Logengedichte. „Die Geheimnisse“ und der Versuch eines Librettos für „Der Zauberflöthe zweyter Theil“, „Wilhelm Meister“: Die Turmgesellschaft

Im Zusammenhang mit Ereignissen in der Loge hat Goethe im Lauf der Jahre bekanntlich einige Gelegenheitsgedichte verfaßt, auf die sich Freimaurer in aller Welt bis heute berufen. Sie gelten als Beleg dafür, daß Goethe auch bei dauernder Beurlaubung weiter Anteil an der Logenarbeit nahm (An Geh. Kammerrat Ridel, 5. Oktober 1812 in seiner Eigenschaft als Meister vom Stuhl der Loge). Nach Wielands Tod aber, der noch mit 76 Jahren aufgenommen worden war, trug Goethe die Rede zu brüderlichem Andenken Wielands in der Trauerloge am 18. Februar 1813 persönlich vor.205 Unter den Gedichten hat das Symbolum (1815, Erstdruck in: Gesänge für Freimaurer, Weimar 1816) mit dem Eingangsvers „Des Maurers Wandeln / Es gleicht dem Leben, / Und sein Bestreben / Es gleicht dem Handeln / Der Menschen auf Erden“ und der auratischen Schlußformel „Wir heißen euch hoffen.“ die größte Bekanntheit erlangt.206 Doch gibt es auch eine Reihe weiterer Logenlieder und Gedichte Goethes (Vom Sänger hat man viel erzählt, 1815; An dem öden Strand des Lebens, 1816). Auch zu besonderen Gelegenheiten wie Carl Augusts Regierungsjubiläum (Zur Logenfeier des Dritten Septembers 1825) verfaßte Goethe Verse für die Loge. Hervorzuheben ist im gegebenen Kontext das Lied In allen guten Stunden aufgrund seines Entstehungsdatums 1775, da um diese Zeit das Weimarer Bauprogramm entworfen wurde.

Weitere Bekanntheit...

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