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Das Reichsjustizministerium unter Otto Thierack (1943–1945)

Teil 2: Die Arbeitstagungen auf der «Reichsburg Kochem» von April bis August 1944 (Protokolle und Berichte)

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Edited By Werner Schubert

Die Edition bringt bisher nicht veröffentlichte Quellen (Protokolle und Berichte) zu den Arbeitstagungen des Reichsjustizministeriums von Ende April bis August 1944. Diese Tagungen waren neben den Richterbriefen ein «neues Mittel der Lenkung» und der «allgemeinen Menschenführung» in der nationalsozialistischen Justiz. Die Tagungen betrafen alle wichtigen Bereiche der Justiz: die Juristenausbildung, die Nachwuchskräfte, die Hochverratssenate bei den OLG, die Sondergerichtsvorsitzenden, die Personalsachbearbeiter des gehobenen und höheren Justizdienstes, die Aufgaben der Vermundschafts-, Ehescheidungs- und Erbhofrichter, die Kriminologie sowie die «Wandlungen der Privatrechtsordnung». Die Edition vermittelt einen umfassenden Einblick in die Zielsetzungen des Reichsjustizministeriums für eine nationalsozialistische Justiz.

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VI. Arbeitstagung der Justiz- und Kassenräte, der Personalsachbearbeiter des gehobenen Justizdienstes sowie der Leiter der Rechtspfleger- und Justizschulen vom 31.5.–2.6.1944

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(Bericht des Justiz- und Kassenrats Kandler, Jena)

Die Leitung der Tagung hatte Ministerialdirektor Letz. Die Tagung stand unter dem Leitsatz: Jede Generation trägt die Verantwortung für die Heranbildung des besten Nachwuchses, ohne den ihr Werk in der Zukunft nicht bestehen kann.

Zu Beginn der Tagung begrüßte MinDir. Letz die Teilnehmer und wies auf Sinn und Zweck dieser Arbeitstagungen hin, die trotz aller kriegsbedingten Schwierigkeiten dennoch im 5. Kriegsjahr durchgeführt werden. Die Tagungen dienen nicht der Erholung und Entspannung, sondern ernster Arbeit. Es gelte, alle Rechtswahrer auf die wirklichen Ziele der im Neuaufbau begriffenen Justiz einheitlich auszurichten. Die Burg Kochem müsse eine Gralsburg des Rechts werden. Er ging auf die Justizkrise ein, die nunmehr dank der Tatkräftigkeit des jetzigen Justizministers als beendet gelten könne. Die Justiz werde nunmehr ihren Weg nach oben gehen, so wie ihn der Führer vorgezeichnet habe, mit dem Ziele eine starke volksverbundene Rechtspflege zu schaffen. Zur Zeit müsse die Justiz noch geführt werden. Auf der Tagung sollen Ausbildungs- und Fortbildungsfragen erörtert werden, über die die einzelnen Referate berichten. Mit einem Einbau des Rechtspflegeramtes in die Gerichtsorganisation und einer Erweiterung des Rechtspflegerbereichs sei zu rechnen. Jede Justiz- und Rechtspflegerschule müsse dahin ausgerichtet sein, einen „Deutschen Menschen“ heranzubilden und zu erziehen. Neben der Erziehung zum „Deutschen Menschen“ müsse Schülern ein gutes Fachwissen vermittelt und ihnen Gläubigkeit und Bescheidenheit anerzogen werden. Die Rechtspfleger sollen nicht etwa zum Richter oder Staatsanwalt 2....

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