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Das Konzept des kollektiven ‹‹iǧtihād›› und seine Umsetzungsformen

Analyse der Organisation und Arbeitsweise islamischer Rechtsakademien

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Ahmed Gad Makhlouf

Das Aufkommen der Moderne und eine mit ihr einhergehende zunehmend globalisierte Welt hinterlassen auch ihre Spuren in der islamischen Normenlehre. So zeichnet sich ein Wandel einer ihrer Schlüsselbegriffe und bedeutendsten Instrumente, des iǧtihād, ab, welcher sich von nun an nicht mehr nur als individueller, sondern auch als kollektiver Reflexionsakt präsentiert. Dieser Entwicklung lag die Umstrukturierung des heutigen islamischen Rechts zugrunde. Das Interesse dieser Arbeit gilt deshalb der Untersuchung des kollektiven iǧtihād sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis. Diese Studie legt den inhaltlichen und theoretischen Rahmen des kollektiven iǧtihād durch die innermuslimischen Diskurse dar und typisiert seine weltweit verbreiteten Institutionen. Dazu analysiert sie eingehend die Struktur und Arbeitsweise dreier exemplarischer Gremien.

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6.3.3 Analyse des European Council for Fatwa and Research

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6.3.3 Analyse des European Council for Fatwa and Research

6.3.3.1 Themenkatalog

Die Arbeitsergebnisse des Councils umfassen qarārāt (Beschlüsse) und fatāwā (Rechtsgutachten). In 25 Tagungen verabschiedete der Rat 120 Resolutionen und erließ 143 Rechtsgutachten. Im Rahmen seiner Beschäftigung mit dem islamischen Minderheitenrecht lassen sich Fragen zu folgenden Subthematiken ausmachen:1068

a) Soziale Fragen: Ein Teil der Entscheidungen und Fatwas des Councils (über 22) behandelt soziale Angelegenheiten, insbesondere Fragen, die Frauen betreffen, wie z. B. die Beteiligung der Frauen am öffentlichen Leben (Resolutionsnr. 17:5/5), die familiäre Gewalt (Resolutionsnr. 58:8/14) und die Zwangsehe (Resolutionsnr.←336 | 337→ 54:4/14). Ferner fallen Beispiele, wie das Beglückwünschen von Nicht-Muslimen durch Muslime anlässlich derer Feiertage (Resolutionsnr. 21:6/3), das Verhältnis einer Muslimin zu ihren nicht-muslimischen Verwandten (Fatwa Nr. 5:1/5) und Gespräche zwischen Männern und Frauen über die sozialen Medien (Fatwa Nr. 127:22/2).

b) Integration: Ebenso befasst sich eine große Zahl der Fatwas und Beschlüsse (ca. 30) mit der Frage der Integration von Muslimen in europäischen Gesellschaften. Beispiele dafür sind: die Loyalität der Muslime in europäischen Ländern (Resolutionsnr. 69:2/16), die Teilnahme (der Muslime) an den Wahlen in Europa (Fatwa Nr. 36:16/2), die Festsetzung des Konzeptes der Integration und ihre Anforderungen (Resolutionsnr. 75:2/17), das Recht der muslimischen Frau auf das Tragen eines Kopftuchs (Resolutionsnr. 46:1/12) und die Bildung eines Ausschusses, der sich mit der...

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