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Kiel und die Revolution von 1918

Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse

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Klaus Kuhl

Das Tagebuch des Kieler Werft-Ingenieurs Andersen erlaubt es, das Verhalten von Angestellten während der Jahre 1917–1919 einzuschätzen. Dazu wird untersucht, welche Ereignisse ihm wichtig waren, welchen Eindruck sie auf ihn machten und wie er die Diskussionen in seinem Umfeld wahrnahm.

Daraus werden die Ursachen für die Änderung seiner Einstellung im Laufe dieser Jahre bestimmt. Die Ergebnisse werden neueren Thesen gegenübergestellt, die für die Akteure der Revolutionszeit stark eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten sehen, so dass eine Ausweitung der revolutionären Bestrebungen nicht möglich gewesen wäre. Dies wird insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Weiterentwicklung der Kieler Ansätze für eine durchgreifende Militärreform diskutiert.

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3. Einleitung

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3. Einleitung

Der Ingenieur der Kieler Germaniawerft Nikolaus Andersen kam aus gut situierten ländlichen Verhältnissen. Er führte vom 23. August 1917 bis zum 25. November 1919 ein Tagebuch, in dem er seine vielfältigen Interessen, Aktivitäten und Ansichten festhielt. Politische Ereignisse bildeten einen Schwerpunkt der Aufzeichnungen, die er durch beigefügte Zeitungsartikel und Flugblätter ergänzte. Dabei gehörte Andersen keiner Partei an und beobachtete die Vorgänge als Außenstehender. Er bildete sich jedoch ein fundiertes Urteil, gestützt auf sein ausgiebiges Zeitungs- und Bücherstudium, sowie durch den Besuch verschiedener Veranstaltungen und einer Beteiligung an den Diskussionen in seinem Umfeld.

Das Tagebuch bietet uns die Möglichkeit, zu untersuchen, wie der sich ankündigende Zusammenbruch Deutschlands, die revolutionäre Erhebung in Kiel und die Nachwehen des Umsturzes auf ein Mitglied des Bürgertums wirkten, und welche Änderungen in Verhalten und Einstellungen dies zur Folge hatte.

Naturgemäß stand bei den bisherigen Untersuchungen über die Erhebung in Kiel das Verhalten der Aktivisten, speziell der Matrosen, Heizer, Arbeiter und Parteiführer aber auch der Gegner wie Offiziere in Heer und Marine im Mittelpunkt. Die grundlegende und bahnbrechende Arbeit zum Thema wurde von Dähnhardt im Jahr 1978 vorgelegt.1 Wichtige ergänzende Untersuchungen wurden u. a. von Wette2, Fischer3, Rackwitz4, Auge5 und Jones6←15 | 16→ verfasst. Zum Mittelstand gibt es durchaus wichtige Studien7, die es jedoch nicht erlauben, einzuschätzen, wie die verschiedenen sozialen und politischen Gruppen des Bürgertums auf...

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