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Kiel und die Revolution von 1918

Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse

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Klaus Kuhl

Das Tagebuch des Kieler Werft-Ingenieurs Andersen erlaubt es, das Verhalten von Angestellten während der Jahre 1917–1919 einzuschätzen. Dazu wird untersucht, welche Ereignisse ihm wichtig waren, welchen Eindruck sie auf ihn machten und wie er die Diskussionen in seinem Umfeld wahrnahm.

Daraus werden die Ursachen für die Änderung seiner Einstellung im Laufe dieser Jahre bestimmt. Die Ergebnisse werden neueren Thesen gegenübergestellt, die für die Akteure der Revolutionszeit stark eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten sehen, so dass eine Ausweitung der revolutionären Bestrebungen nicht möglich gewesen wäre. Dies wird insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Weiterentwicklung der Kieler Ansätze für eine durchgreifende Militärreform diskutiert.

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5. Der Tagebuchschreiber

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5. Der Tagebuchschreiber

Der Tagebuchschreiber hatte seinen Namen nicht im Tagebuch vermerkt. Es bedurfte einer langen Zeit und verschiedener Anläufe, um ihn zu identifizieren. Nach der ersten schnell durchgeführten Transkription einiger Tagebuchseiten durch die „Kieler Rundschau“ im Jahr 1980 wurde der Schreiber fälschlicherweise als Konstrukteur der Kaiserlichen Werft charakterisiert, der aus Rinkenis im damals deutschen Nordschleswig (heute Rinkenæs in Dänemark) gekommen sei, und der in Kiel häufig in der Bahnhofsunterführung gesessen und dort gelesen oder geschrieben habe, um zu Hause Beleuchtung einzusparen.

Im Zuge der vollständigen Transkribierung ab dem Jahr 2007 wurde auch der Versuch der Identifizierung des Tagebuchschreibers wieder aufgenommen. Dabei stellte sich heraus, dass der Schreiber nicht auf der Kaiserlichen Werft sondern auf der Germaniawerft gearbeitet hat. Eine von ihm aufgegebene Todesanzeige für den Kollegen Volbehr in den Kieler Neuesten Nachrichten (KNN) vom 9. September 1917, ist unterzeichnet mit „Die Beamten des Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.-G., Germaniawerft. Der Ausdruck „Beamter“ wurde damals auch im privatwirtschaftlichen Bereich verwendet und war deckungsgleich mit „Angestellter“.16 Eine Anfrage des Stadtarchivs Kiel beim Krupp-Archiv – die Germaniawerft gehörte damals zum Krupp-Konzern – brachte leider keine Ergebnisse, weil aus der fraglichen Zeit nur noch wenige Akten erhalten geblieben sind. Ebenso führten Recherchen in Dänemark und in Jevenstedt, das als Wohnort von Verwandten mehrfach im Tagebuch erwähnt wird, nicht weiter. Erst mit der Transkription der Eintragungen ab Juli 1919 konnte das Rätsel gelöst werden. In...

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