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Kiel und die Revolution von 1918

Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse

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Klaus Kuhl

Das Tagebuch des Kieler Werft-Ingenieurs Andersen erlaubt es, das Verhalten von Angestellten während der Jahre 1917–1919 einzuschätzen. Dazu wird untersucht, welche Ereignisse ihm wichtig waren, welchen Eindruck sie auf ihn machten und wie er die Diskussionen in seinem Umfeld wahrnahm.

Daraus werden die Ursachen für die Änderung seiner Einstellung im Laufe dieser Jahre bestimmt. Die Ergebnisse werden neueren Thesen gegenübergestellt, die für die Akteure der Revolutionszeit stark eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten sehen, so dass eine Ausweitung der revolutionären Bestrebungen nicht möglich gewesen wäre. Dies wird insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Weiterentwicklung der Kieler Ansätze für eine durchgreifende Militärreform diskutiert.

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6. Inhalt des Tagebuchs

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6. Inhalt des Tagebuchs

6.1. Kriegsverlauf bis Ende 1917

Andersen verfolgte aufmerksam den Kriegsverlauf. In der Periode bis Ende 1917 steht im Tagebuch die Offensive gegen Italien im Vordergrund. Am 26. Oktober 1917 erwähnte er erstmals die Kampfhandlungen. Er notierte fast täglich die Zahl der Gefangenen, die der erbeuteten Geschütze, und vermerkte die Einnahme Udines in Oberitalien (30. Oktober 1917). Am 12. November 1917 erwähnte er kleinere Rückschläge, aber trotzdem würde es noch immer vorwärts gehen. Tatsächlich konnten jedoch die Italiener mit alliierter Unterstützung den Vorstoß aufhalten und die Front stabilisieren. Dass dies keine Widerspiegelung im Tagebuch fand, dürfte Andersens Enttäuschung zum Ausdruck bringen.

Seine Notizen bezogen auf die Westfront sind in dieser Zeit weniger umfangreich. Er vermerkte, dass Dünkirchen durch Fliegerangriff vernichtet und abgebrannt sei (3. Oktober 1917). Ostende liege in Trümmern (8. Oktober 1917). Er erwähnte nicht, dass dies im Rahmen des alliierten Vorstoßes auf Flandern passierte, aber er notierte am 23. Oktober 1917, dass an der ganzen Westfront harte Kämpfe vor sich gehen würden, wobei Deutschland 8.000 Mann und 70 Geschütze verloren habe. Am selben Tag registrierte er: „Russland wird matt.“ Der Zusammenbruch des russischen militärischen Widerstands hing auch mit der Eroberung Rigas und der Besetzung der baltischen Insel Ösel zusammen, die Andersen in seinem Tagebuch mit kurzen Eintragungen festhielt (4. und 5. September sowie 14. und 21. Oktober 1917).

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