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Kiel und die Revolution von 1918

Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse

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Klaus Kuhl

Das Tagebuch des Kieler Werft-Ingenieurs Andersen erlaubt es, das Verhalten von Angestellten während der Jahre 1917–1919 einzuschätzen. Dazu wird untersucht, welche Ereignisse ihm wichtig waren, welchen Eindruck sie auf ihn machten und wie er die Diskussionen in seinem Umfeld wahrnahm.

Daraus werden die Ursachen für die Änderung seiner Einstellung im Laufe dieser Jahre bestimmt. Die Ergebnisse werden neueren Thesen gegenübergestellt, die für die Akteure der Revolutionszeit stark eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten sehen, so dass eine Ausweitung der revolutionären Bestrebungen nicht möglich gewesen wäre. Dies wird insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Weiterentwicklung der Kieler Ansätze für eine durchgreifende Militärreform diskutiert.

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6.12.6. Kriminalität

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6.12.6. Kriminalität

Die von Andersen erwähnten Gesetzesverstöße umfassen zum einen Fälle, die man wohl noch in die Kategorie „Mundraub“ einordnen kann: Am 1. September 1918 notierte Andersen, dass ein Schaf auf dem Hof in Rinkenis auf der Waldkoppel in der Nacht geschlachtet wurde und nur die Haut zurückgelassen wurde. Der Fall wurde offenbar nicht aufgeklärt. Zum anderen erwähnte Andersen einige Fälle wie Plünderungen und Diebstähle, die vermutlich eher den unruhigen Zeiten nach der Revolution geschuldet sind:

29. November 1918: Überhandnehmen der Diebstähle auf dem Lande und auch in der Stadt. Kleider, Wäsche, Geld, Vieh (groß und klein) an Ort und Stelle abschlachten, [nicht zu entzifferndes Wort], kurz alles wird geraubt. Unsicherheit an allen Enden.

8 Mai 1919: Immer noch unheimliche282 Diebstähle. Die Lage in Deutschland ist nicht gut.

Außerdem beschrieb Andersen eher organisierte Kriminalität größeren Stils:

11. März 1918: Große Kriegswucherungen der Daimler Motoren Werke werden im Reichstag besprochen. Ein Kammerherr von Behr-Pinnow hat bei Säcke←111 | 112→ Lieferungen Unterschleihe283 gemacht.284 Kriegswucher und Diebstahl sind an der Tagesordnung. In Berlin werden bei Versicherungsgesellschaften etwa 300 Einbrüche angemeldet, viele nicht angemeldete finden statt.

21. November 1918: Große Unterschleihe [Unterschlagung] und Hamstereien in Mürwik, begangen von Offizieren, Koch und Verwalter. Skandalöse Zustände bekannt durch die Flensburger Nachrichten No. 270.

12. März 1919: Auf...

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