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Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

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Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

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2.0 Homosexualitäten im Alter und in der Pflege – Geschichte und Forschungsstand

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2.0 Homosexualitäten im Alter und in der Pflege – Geschichte und Forschungsstand

Für die Erforschung der Lebenssituation gleichgeschlechtlich liebender Frauen und Männer ist die Thematisierung der Geschichte(n) von Homosexualitäten in unterschiedlichen Epochen unabdingbar. Die Gegenwart dieser Menschen ist nur verstehbar mit dem Wissen um ihre Sozialisation und ihrem daraus resultierenden Sogewordensein. Teil dieser Geschichte sind seit jüngerer Zeit Institutionen und Projekte einer lesbisch-schwulen Senior_innenarbeit als Teil der LSBTI-Community wie auch die Strukturen der AIDS-Hilfen. Anschließend wird die vorliegende Forschungsarbeit in den Forschungsstand zum Thema lesbisch-schwules Altern eingeordnet. Abschließend werden bestehende Initiativen einer Berücksichtigung von Homosexualitäten in der Altenpflege aufgezeigt.

2.1 Historische Epochen der Homosexualitäten

Aus historischer Sicht lassen sich Identitäten von Homosexualitäten grob in verschiedene zeitliche Epochen für Deutschland (Westeuropa) darstellen, wobei die Modelle (Krell 2014, S. 43–44; Hutter 2000, S. 144–175) zum Teil parallel sowie durchlässig in unterschiedlichen Bezugsrahmen bestehen können. Nachfolgend werden die identitätsrelevanten sozio-kulturellen und -historischen Rahmenbedingungen und Diskurse um Homosexualitäten ab Mitte des 20. Jahrhunderts fokussiert beschrieben.25

2.1.1 Homosexualitäten ab der Mitte des 20. Jahrhunderts und homophile Identitäten

Die gleichgeschlechtliche Sexualität von Männern blieb nach dem Krieg in beiden deutschen Staaten weiterhin unter Strafe gestellt, wobei die strafrechtliche Verfolgung der 1950er bis 1960er Jahre im Westen exzessiver ausfiel. In der BRD wurde der Paragraf 175 StGB in der NS-verschärften Fassung von...

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