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Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

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Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

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5.2.2 Situationserleben Pflegebedürftiger

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5.2.1.5 Haltungen und Handlungen gegenüber körperlicher Sexualität Pflegebedürftiger

Körperliche Sexualität im Alter und zudem in der Pflege sind noch immer Tabuthemen, wie in Kapitel 1.7 beschrieben. Hingegen handelt es sich bei Bedürfnissen nach körperlicher Sexualität um ein Grundbedürfnis des Menschen, womit sie auch relevant für die Pflege ist. Die Forschenden wollten die Möglichkeit nicht ungenutzt lassen, in den Interviews auch nach Bedürfnissen der körperlichen Sexualität lesbischer und schwuler Pflegebedürftiger und deren Umsetzung zu fragen. Hierbei zeigten sich bei fast allen Interviewproband_innen vorhandene sexuelle Bedürfnisse, die mehr oder weniger ausgelebt werden.144 In diesem Kapitel soll es um die Haltungen und Handlungen von Leitungspersonen wie Pflegenden im Kontext körperlicher Sexualität als intervenierende Bedingungen der Anerkennungstheorie von Homosexualitäten in der Altenpflege gehen. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, ob ggf. Unterschiede gemacht werden zwischen sexuellen Bedürfnissen hetero- und homosexueller Pflegebedürftiger.

In den Interviews mit den pflegebedürftigen lesbischen Frauen und schwulen Männern, wie auch in denen mit den Pflegefachkräften, konnten Haltungen und daraus resultierende Handlungen festgestellt werden, die sich in einem Kontinuum zwischen Ablehnung und aktiver Unterstützung verorten lassen. Die größte unterstützende Offenheit liegt in speziellen Einrichtungen für schwule Männer. So berichten Pflegefachkräfte wie auch befragte pflegebedürftige schwule Männer spezieller Einrichtungen von einer weitestgehenden Offenheit gegenüber ihren sexuellen Bedürfnissen bis hin zu einer aktiven Unterst...

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