Show Less
Restricted access

Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

Series:

Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

Show Summary Details
Restricted access

5.3.5 Offener Umgang mit der eigenen Homosexualität im Pflegesetting

Extract

5.3.4.4 Haltungen, spezifische Bedürfnisse und Erwartungen an die Altenpflege

Die Artikulation und das Leben der eigenen homosexuellen Identitätskonstruktion und einhergehender spezifischer Bedürfnisse folgen den bisherigen persönlichen und kollektiven (Lebens-)Erfahrungen sowie den Erwartungshaltungen der homosexuellen Pflegebedürftigen gegenüber der Altenpflege. Das heißt, die Pflegebedürftigen mit einer offenen Umgangsweise artikulieren in der Regel ihre Erwartungshaltung zur Durchführung ihrer Pflege gegenüber den Pflegenden und ihrer Umwelt. Die Erwartungen an die Pflege umfassen Haltungen einer individuellen bedürfnisorientierten Pflege (G1/94), welche für einen Teil der Pflegebedürftigen die Bedürfnisse von Lesben und Schwulen gleichwohl (G1/248) oder explizit (M2/48) mitberücksichtigen soll.

Ein Pol der Sichtweise zur individuellen Pflege besteht darin, dass der Mensch als Individuum in der Pflege anerkannt werden und seinen Subjektstatus beibehalten soll. Unter individuell wird gefasst, dass Menschen individuelle Umgangs- und Beziehungsformen haben können, die auf universal geteilten Bedürfnissen beruhen und nicht einer bestimmten Geschlechtlichkeit oder sexueller Identität zuzuordnen sind (G1/116, 136). Ein Sonderstatus durch eine exklusive Behandlung als Lesbe oder Schwuler wird abgelehnt. Vielmehr wird eine Pflege erwartet, die vorurteilsfrei ohne zuschreibende Kategorisierungen (wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Gesundheitszustand etc.) den einzelnen Menschen mit all seinen Bedürfnissen und seiner ihm eigenen Biografie anerkennt und sich daran ausrichtet. Eine solche Erwartungshaltung an die Altenpflege beinhaltet, dass individuell auch merkmalsbezogene, bspw. geschlechtsbezogene Bedürfnisse relevant werden können. Dieser Erwartung zufolge würde ohne Kategorisierung/Stigmatisierung eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.