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Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

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Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

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Fazit

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Erfährt die Theorie der Anerkennung von Homosexualitäten in der Altenpflege eine adäquate Umsetzung, so ist davon auszugehen, dass nicht nur homosexuelle Pflegebedürftige und homosexuelle Mitarbeitende einen emanzipatorischen Nutzen, eine Steigerung und/oder eine Absicherung der Pflegequalität und somit ihrer Lebensqualität erzielen. Strukturen und Prozesse in der Altenpflege, die potenziell oder tatsächlich Homosexualitäten berücksichtigen, bieten vielmehr allen Pflegebedürftigen eine Offenheit und Anerkennung gegenüber ihren sexuellen und geschlechtlichen Identitäten. Hierdurch rückt der einzelne pflegebedürftige Mensch als Subjekt in den Fokus der Altenpflege. Durch Wahrnehmung und Berücksichtigung in Theorie und Pflegepraxis, dass alle Menschen in ihrer Individualität auch sexuelle und geschlechtliche Wesen sind, die aufgrund ihrer individuellen Biografien unterschiedliche Bedürfnisse besitzen, erfahren Pflegebedürftige eine weitestgehende Bewahrung oder Wiederherstellung ihrer persönlichen und sozialen Integrität und Würde. Dabei gilt es, sich die unterschiedlichen gesellschaftlichen und individuellen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Pflegebedürftigen vor Augen zu halten, um zu verstehen, dass dieser Anspruch einer gleichwertigen, Homosexualitäten anerkennenden Pflege sich in einer anderen, nämlich nicht heteronormativen, ggf. teils sogar emanzipativ-ungleichen Struktur, Praxis und Begegnung widerspiegelt. Ebenso darf eine emanzipatorische Ermunterung, Vertrauen im Pflegeumfeld zu finden und die eigene Homosexualität zu offenbaren, nicht die Position und das zeitgeschichtlich geprägte, individuelle Gewordensein pflegebedürftiger Menschen ignorieren und zur persönlichen Überforderung geraten. Schließlich handelt es sich um Menschen, die sich aufgrund ihrer Hilfe- und Pflegebedürftigkeit ad hoc oder dauerhaft in Abh...

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