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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Nachkriegstraumata in der österreichischen Prosa der Zwischenkriegszeit

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Johann Sonnleitner

Das von Jean Laplanche und Jean-Bertrand Pontalis verfasste Vokabular der Psychoanalyse bietet folgende an Sigmund Freud orientierte Erläuterung des Trauma-Begriffs, der sich in den Kulturwissenschaften zunehmender Popularität erfreut:1 Das Trauma bezeichne ein „Ereignis im Leben des Subjekts, das definiert wird durch seine Intensität, die Unfähigkeit des Subjekts, adäquat darauf zu antworten […] und ist gekennzeichnet durch ein Anfluten von Reizen, die im Vergleich mit der Toleranz des Subjekts und seiner Fähigkeit, diese Reize psychisch zu bemeistern und zu bearbeiten, exzessiv sind.“2 Freud hat in den Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1915–1917) den Sachverhalt besser und klarer formuliert und in Jenseits des Lustprinzips (1920) diesen Begriff in Bezug auf die Etymologie veranschaulicht, indem er den Reizschutz als lebendes Bläschen imaginiert, das in der traumatischen Erfahrung verletzt oder durchbohrt würde.

Überträgt man diese Vorstellung auf die Funktionsweise des Offiziers oder Soldaten oder auch des Beamten, so fungiert dessen Uniform mit den entsprechenden Distinktionen als Reizschutz wie eine zweite Haut, die gleichsam zivile und menschliche Behelligungen abweist. Sie garantiert dem Träger die Zugehörigkeit zu in der Regel mächtigen Institutionen, ordnet ihm eine klar definierte hierarchische Position zu und verleiht ihm seine soziale Identität und den Respekt der Umwelt. Wer nun die angemessene Ehrerbietung verweigert, muss nun Sanktionen befürchten. Das Unterhaltungstheater vor 1914, besonders die Militäroperetten wie Husarenblut (1894) von Hugo Felix, Ein Herbstmanöver (1911) und Gold gab...

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