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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Die Wundmale des Krieges. Drei vergessene Dichter aus dem alten Österreich? Ein Versuch über Friedrich von Gagern, Victor Tausk und Gizella von Tarczay

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Mirjana Stancic

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung der Habsburgermonarchie verursachten die Pariser Verträge von 1919 mit ihren minderheitsrechtlichen Bestimmungen auch Widersprüche – wie das Versprechen „freiester Gelegenheit zu autonomer Entwicklung“ gegen den Autonomieanspruch der Mehrheit – doch de facto fanden sich Deutschstämmige in den neugegründeten Staaten Polen, Tschechoslowakei, im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen oder dem tief gehend transformierten Ungarn und Rumänien weiter von Österreich und Deutschland entfernt als je zuvor. Die ehemals staatstragenden deutschsprachigen Bürger wurden praktisch über Nacht zu nationalen Minderheiten degradiert.

Deutschsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller reagierten auf diesen gewaltigen Umbruch in vielfältiger Weise. In der Regel fiel es ihnen schwer, sich in den neugegründeten Staatsgebilden zurechtzufinden, zumal sie mit der Sprache und der gesellschaftlichen Stellung auch ihre existentielle Basis verloren hatten. Einige setzten trotz der veränderten politischen und kulturellen Veränderungen ihre gewohnten Tätigkeiten fort, andere verließen ihre alte Heimat, um in Österreich oder in Deutschland durch ihre muttersprachliche Bindung in den entsprechenden Literaturkreisen aufgenommen zu werden. Andere Autoren verzichteten völlig auf den Gebrauch ihrer deutschen Muttersprache zugunsten der Landessprache ihres Asyls und adaptierten diese auch in ihrem neuen literarischen Schaffen.

Die in diesem Beitrag vorgestellten Autoren verbindet kaum etwas außer der Tatsache, dass sie demselben geografischen Raum entstammen und durch den Ersten Weltkrieg aus der Bahn geworfen wurden. Sie sind sich nie begegnet, teilten auch literarische Schwerpunkte nicht. Für die heutigen Leser, sogar...

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