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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Unterhaltungsromane über den Ersten Weltkrieg? Leo Perutz’ Wohin rollst du, Äpfelchen … und Alexander Lernet-Holenias Die Standarte

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Aneta Jachimowicz

Von Leo Perutz als von einem Unterhaltungsschriftsteller zu sprechen käme angesichts der avancierten Bestandsaufnahmen der neuesten Perutz-Forschung einem wissenschaftlichen Selbstmord gleich. Perutz’ Romane sind alles andere als bloß unterhaltende oder kolportagehafte Bücher, und Perutz ist keinesfalls ein Unterhaltungsliterat, für den ihn seinerzeit Kurt Tucholsky aufgrund seines Romanerstlings Die dritte Kugel (1919) gehalten hat:

Das ist ein hübsches Buch. So eins, das man, wenns draußen furchtbar regnet, mit einem Teller Knackmandeln neben sich, tot für die Umwelt, verschlingt, mit der einen Hand blättert man um, mit der zweiten stopft man sich langsam eine Knackmandel nach der anderen in den Mund…1

Das literarische Schaffen Perutz’ wurde von seinen Zeitgenossen meistens der Unterhaltungsliteratur zugeordnet,2 was die Germanisten zunächst veranlasste, sein Werk als Trivialliteratur abzutun.3 In den letzten dreißig Jahren hebt man aber seinen besonderen Stellenwert hervor und weist auf die von Perutz erfassten thematischen Problemfelder hin, die das Denksystem sowie die (geschichts-)←207 | 208→philosophischen Reflexionen der ambitiösen Autoren dieser Zeit bestimmten und zum Gegenstand der großen Literatur des 20. Jahrhunderts wurden.

Der mit vielen Preisen gekrönte Alexander Lernet-Holenia, PEN-Präsident und Mitherausgeber des FORVM, ist gravierend anders positioniert. Obwohl er mehrmals mit Perutz verglichen wurde,4 stand seiner Kanonisierung in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts vielfach die Stigmatisierung seiner Werke als Unterhaltungsliteratur im Wege.5 Schon Stefan Zweig sagte von Lernet-Holenias Romanen, sie seien „mit der linken Hand...

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