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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Epochenschwelle als narrative Markierung: 1914. Kraus, Musil, Roth, Andrić, Iwaszkiewicz

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Wolfgang Müller-Funk

Philosophische, kulturwissenschaftliche und historische Perspektiven sind ihrer ganzen Logik nach verschieden, operieren sie doch mit ganz verschiedenen Prämissen, Blickwinkeln und Denkweisen. Aber im Hinblick auf das Phänomen des Narrativen haben sie eine Gemeinsamkeit: Von entscheidender Bedeutung ist nämlich, dass Erzählungen jedweder Art Ereignisse nicht nur wiedergeben (oder auch in einem wörtlichen Sinn erfinden), sondern zugleich deuten, und zwar nicht allein wegen manifesten Aussagen, in Dialogen oder Erzählkommentaren, sondern wegen der Konfiguration, die mit der Fabelkonstruktion einhergeht. Der Begriff der ‚Epochenschwelle‘ beinhaltet ganz bestimmt eine zeitliche wie eine kausale Markierung; er konstruiert zwei Epochen, das Ende der einen, vorangegangenen, und den Anfang einer neuen, von der nicht klar ist, bis wann sie dauert – vermutlich bis 1989. So kommt es zur „Sinngebung des Sinnlosen“ (Theodor Lessing)1.

Die Epoche ist wiederum die Erfindung eines längeren zeitlichen Kontinuums, das durch ein Bündel von Gemeinsamkeiten charakterisiert ist bzw. sein soll, während die Schwelle, eigentlich ein räumliches Phänomen, als ein Bindeglied zwischen zwei zeitlichen Entitäten zu begreifen ist, auf die sie beidseitig bezogen ist, indem sie diese voneinander trennt. Durch diese Funktion wird sie zu einer bedeutsamen zeitlichen Markierung.

In seinem prominenten Buch Die Arbeit am Mythos, das sich heute als ein gewichtiger Beitrag zu einer Theorie des Narrativen lesen lässt, hat Blumenberg der zuerst von Heidegger und Rothacker entfalteten Kategorie der Bedeutsamkeit ein ganzes Kapitel gewidmet2 und bringt diese in engen Zusammenhang...

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