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Was bedeutet es, Person zu sein?

Theodor Rütter

Person zu sein: Was bedeutet das für die Ethik der Zukunft und für unsere Moral heute im Umgang mit uns selbst und im mit einander?

Diese Frage wirft sich aus einem aktuellen Problem auf

− Aus der Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit zunehmender Depersonalisierung;

− Aus modernen Technologien und damit verbundenen Ideologien, die immer tiefer in unseren Umgang mit einander und mit uns je selbst eindringen;

− Aus philosophischen Konzepten, die an Hirnforschung und Künstlicher Intelligenz orientiert das Personsein manchen menschlichen Wesen aberkennen und manchen Rechenmaschinen zuerkennen.

Das Buch entfaltet die Antwort auf die in seinem Titel aufgeworfene Frage historisch und systematisch: aus praktischer Vernunft, die sich an den Verstand wendet, das heißt, aus der raison du cœur.

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15 Die persona im politischen Sprachgebrauch des Mittelalters

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In den vorigen Kapiteln sind wir der Geschichte des theologischen Diskurses um die persona über die Zeitspanne von siebeneinhalb Jahrhunderten durch einige entscheidende Stationen von Boethius bis Johannes Duns Scotus nachgegangen. In diesem Kapitel nun ist eine Parallelgeschichte in groben Zügen nachzuerzählen. Denn in der selben langen Zeit hat sich neben dem trinitätstheologisch und christologisch geprägten, wenn auch seit Boethius schon anthropologisch relevanten, so doch innerkirchlichen Begriff der Person in der Wortgestalt persona ein anderer dreifacher Sinngehalt teils aus der vorchristlichen und teils aus der christlichen Zeit durchgehalten und weiter entwickelt, und zwar in der eher profanen, nämlich in der gelehrten und rechtlichen, in der amtlichen und diplomatischen, politischen Sprache an den Höfen der weltlichen und auch der kirchlichen Herrschaft.

Allein schon durch die kirchliche Herrschaft, durch ihr Eindringen in die weltliche Herrschaft, ist es zu vielfältigen Wechselwirkungen gekommen, die zum mehrsinnigen profanen Gehalt der alten Wortgestalt persona mächtig beigetragen haben. Aber solch wechselseitige Einwirkungen auf den Begriff der Person sind nicht Gegenstand unserer Betrachtung in diesem Kapitel. Es wird so kurz wie eben möglich sein und nicht aus Primärquellen schöpfen, sondern sich an Otto Borst200 halten, dem wir die Untersuchung und Auslegung vieler Dokumente verdanken, von denen wir hier nur einige wenige beachten und nachzitieren, aber eigens auslegen werden.

Beginnen wir bei einer Quelle, die zwar im kirchlichen Bereich liegt, in mönchischer Gelehrsamkeit, jedoch wie die übrigen Quellen auch, aus denen...

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