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Was bedeutet es, Person zu sein?

Theodor Rütter

Person zu sein: Was bedeutet das für die Ethik der Zukunft und für unsere Moral heute im Umgang mit uns selbst und im mit einander?

Diese Frage wirft sich aus einem aktuellen Problem auf

− Aus der Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit zunehmender Depersonalisierung;

− Aus modernen Technologien und damit verbundenen Ideologien, die immer tiefer in unseren Umgang mit einander und mit uns je selbst eindringen;

− Aus philosophischen Konzepten, die an Hirnforschung und Künstlicher Intelligenz orientiert das Personsein manchen menschlichen Wesen aberkennen und manchen Rechenmaschinen zuerkennen.

Das Buch entfaltet die Antwort auf die in seinem Titel aufgeworfene Frage historisch und systematisch: aus praktischer Vernunft, die sich an den Verstand wendet, das heißt, aus der raison du cœur.

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Die persona im Übergang zur Neuzeit

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Den runden eintausend Jahren mittelalterlicher Geschichte der persona lassen wir nun rund vierhundert Jahre des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit folgen. Diese Zeit des Übergangs lassen wir mit der Renaissance um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts beginnen und um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts enden, nämlich mit dem Erscheinen einer für unsere Betrachtung besonders wichtigen Schrift von Leibniz ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode (Nouveaux essais sur l’entendement humain. Abgeschlossen 1704, erstmals erschienen 1765). In diesen vierhundert Jahren des Übergangs der mittelalterlichen zur neuzeitlichen Philosophie macht der Begriff der Person eine seltsame Geschichte durch:

In der Renaissance, der Zeit neuen Erwachens des nichtchristlichen Geistes griechischer und lateinischer Klassik – in der kurzen Zeitspanne von der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts bis ins sechzehnte Jahrhundert, zuerst in einigen wohlhabenden italienischen Städten (Florenz vorneweg), in deren Politik und Gesellschaft, bildender Kunst und Wissenschaft vom Menschen, in der psychologischen und philosophischen Literatur des italienischen und dann bald europäischen Humanismus – tritt mit Macht und Pracht jäh die Persönlichkeit auf – und hinter dem strahlenden Licht dieser „Renaissance-Persönlichkeit“ gerät die Person, dieser abendländische Leitbegriff, in den Schatten. Im philosophischen Diskurs des Humanismus der Renaissance hat die Person keinen Ort mehr, der Begriff ist nicht nur in den Schatten geraten, sondern verschwunden! Was zunächst erstaunlich ist, das lässt sich doch wohl erklären: Der philosophische, psychologische Diskurs im Humanismus setzt sich vom christlichen Menschenbild und damit vom tradierten, als theologisch belastet empfundenen Begriff der...

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