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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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Intellektuelle Interventionen: Politische Handlungsfähigkeit bei Pierre Bourdieu und Jacques Rancière

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Marion Löffler

Pierre Bourdieu und Jacques Rancière sind zwei Gesellschafts- und Politiktheoretiker, die sich nicht nur wissenschaftlich mit Politik befasst, sondern auch politisch »interveniert« haben. Oliver Davis ist dem Begriff der »Intervention« nachgegangen und kommt zu dem Schluss, dass er im Französischen nicht auf störende Einmischung reduziert ist, sondern jeden Akt des Eingreifens oder auch des Wort-Ergreifens meint.1 In diesem Sinne bezeichnet Rancière seine Bücher als »eine Form der Intervention in spezifische Kontexte«.2 Hinzu kommen politische Kommentare und Kolumnen sowie anlassbezogene Interviews, die sein Werk begleiten und ergänzen.3 Bourdieu hingegen betrachtet seine Forschung zwar als notwendige Kritik und somit als Voraussetzung, nicht aber als unmittelbare politische Intervention.4 In den 1990er Jahren begann er sich jedoch im Kampf gegen Globalisierung und Neoliberalismus zu engagieren5 und erkannte sein vormaliges wissenschaftliches Ideal weltanschaulicher Neutralität ←25 | 26→als »Weltflucht im Namen der Wertfreiheit«.6 Seine politischen Texte will er als »nützliche Waffe« für diejenigen verstanden wissen, »die es auf sich nehmen, sich der neoliberalen Heimsuchung entgegenzustellen«. Sowohl das Anfertigen dieser Waffe als auch die Aktionen gegen den neoliberalen Abbau des Sozialstaates sind Formen politischen Handelns. Vor dem Hintergrund ihrer unübersehbaren Differenzen, möchte ich in diesem Beitrag der Frage nachgehen, wie Bourdieu und Rancière politische Handlungsfähigkeit theoretisch fassen, und ob ihre intellektuellen Interventionen den eigenen theoretischen Konzepten entsprechen.

Rancière kritisiert Bourdieu und sein Werk heftig. Besonders wendet er sich gegen Bourdieus Konzeption von Elitenreproduktion im...

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