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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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»Veränderte Spielräume«?: Politik, Ideologie und Psychoanalyse in Arnold Zweigs Essays Caliban und Dialektik der Alpen

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Gabriella Rácz

»Politisch sein ist heute unumgänglich …«, mit diesem Briefzitat beginnt Wilhelm von Sternburg das Vorwort zu Arnold Zweigs Essayband Krieg und Frieden.1 Der Brief stammt aus dem Jahr 1919, und bis zu seinem Lebensende 1968 boten Zweig die Weltgeschichte und sein privates Schicksal Anlass genug, sich immer wieder politisch zu äußern. Der nach seiner Selbstbestimmung »bewußte[] Jude und Zionist, europäische[] Geistige[] und deutsche[] Dichter«2 erlebt als einfacher Soldat die Schlachtfelder im Ersten Weltkrieg, ist als linksliberaler Pazifist in ähnlich gesinnten Presseorganen der Weimarer Republik tätig, emigriert dann nach Palästina und lässt sich schließlich in seiner Wahlheimat, in der DDR nieder, wo er als ›Staatsschriftsteller‹ gefeiert, sogar verklärt wird. Das Ergebnis dieser politisch bedeutungsvollen und ideologisch – milde gesagt – ›komplexen‹, eindeutiger ausgedrückt widersprüchlichen und streitbaren Laufbahn sind eine umfangreiche Publizistik und einige große politische Essays, die von zentralen Themen wie Krieg und Frieden, Nationalismus und Antisemitismus, Zionismus, Demokratie und Marxismus handeln.

Rückblickend schreibt er in seinem Lebensabriß über diese Lebensstationen: »Ich war 1915 als kulturkonservativer Idealist und Individualist in den Ersten Weltkrieg verstrickt worden. […] Daß in den Massen […] alle Fähigkeiten schlummern, die […] zur Überwindung von Krieg und Klassenkampf führen konnten, prägte sich mir von Monat zu Monat deutlicher ein. […] Ich durfte mich […] einen religiösen Sozialisten nennen; dabei wurde die Frage, ob Jude oder Christ, immer wesenloser.«3 Gleichzeitig formuliert er seine Kritik an ←73 | 74→den westlichen Juden...

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