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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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Vom Vertrag erzählen: Pflege- und Näharbeit im Neoliberalismus

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Sabine Zelger

Wer von Verträgen erzählt, ruft Versprechen auf, die dem Narrativ seit der Moderne eingeschrieben sind. Erinnert wird durch den »kulturell verfügbaren Plot«1 das Projekt der Moderne mit dem souveränen Subjekt, das eine freie Wahl trifft und faire Bedingungen vorfindet, sie gegebenenfalls auch einklagen kann. Indem das Narrativ auf das Paradigma des Kaufvertrags rekurriert, impliziert es das Versprechen der rechtlichen Sicherheit und Fairness. Auch wird mit der Erzählung an den Gesellschaftsvertrag angedockt, der in der liberalen Demokratie vor staatlicher Willkür schützen soll und in der sozialen Demokratie etwa für Mitbestimmungsstrukturen in verschiedenen Institutionen sorgt. Bedeutsam ist ebenso das individualisierende Moment des Vertrags. Soziale Verhältnisse stellen sich hier nämlich als individuelle Entscheidungen dar und suggerieren Ergebnisse der Aushandlung als passgenauen Zuschnitt. Diese Versprechen und Konnotationen haben vielfache Kritik hervorgerufen. So wird die Idee des Staates als Gesellschaftsvertrag hinterfragt, weil ihm ein heimlicher Geschlechtervertrag zugrunde liegt, der Frauen ausschließt.2 In Ausblendung sozialer Unterschiede und Machtverhältnisse wird auch die Vorstellung des Vertrags als Tausch, bei dem beide Parteien profitieren sollten, fragwürdig. Dies gilt insbesondere für den Arbeitsvertrag, der unter ungleichen Bedingungen der Vertragspartner zustande kommt. Bürgerlich freiheitliche und auch sozialstaatliche Versprechen werden angesichts der realen Herrschaftsverhältnisse ad absurdum geführt. Im Kontext von Neoliberalismus und Globalisierung und dem enormen Machtgefälle zwischen Nord und Süd, West und Ost erweitert sich die Kluft zwischen Versprechen und Realität noch einmal beträchtlich. Aufgrund...

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