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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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»Aufdringliche Aktivitäten«: Luhmanns Verständnis von Handlungsfähigkeit am Beispiel seiner Auseinandersetzung mit der ›Frauenforschung‹

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Charlotte Coch

Im Jahre 1988 veröffentlicht der zu diesem Zeitpunkt bereits renommierte Soziologe Niklas Luhmann, seit 20 Jahren Professor an der Universität Bielefeld und damit ihr erster Ordinarius, einen Aufsatz in der Zeitschrift für Soziologie mit dem etwas kuriosen Titel Frauen, Männer und George Spencer Brown.1 Luhmann äußert darin zunächst seine deutliche Konsternation über zeitgenössische universitätspolitische Vorgänge, die er wie folgt beschreibt:

So werden an meiner Fakultät die Namensschilder an Türen zu Dienstzimmern gelöscht, wenn sich der Inhaber des Namens und Zimmers in Prüfungen von Feministinnen als uneingestimmt erweist. Auch haben engagierte Frauen eine Fakultätskonferenz meiner Fakultät überfallen, um das physische Substrat für Abstimmungen zu zerstören, und zwar so schnell, zwischen Angriff und Zugriff nur wenige Sekunden, daß gar keine Zeit blieb für Reflexion.2

Luhmann scheint sich allerdings nicht nur von solcherart geschilderten konkreten Aktionen im Kontext der eigenen Universität persönlich angegriffen, sondern auch wissenschaftstheoretisch herausgefordert zu fühlen. Als seinen Gegenstand benennt er so insgesamt »das, was sich in letzter Zeit als ›Frauenforschung‹ zu etablieren beginnt«.3 Sein Ziel ist es, mehr oder weniger bescheiden formuliert, unter Rückgriff auf seinen Lieblingsmathematiker George Spencer Brown und dessen Logik4 die theoretischen Grundlagen dieser »neuartigen Forschungsabsichten« zu klären und damit der ›Frauenforschung‹ eine Möglichkeit an die Hand zu geben, ihre inhärenten Paradoxien zu lösen5 – schlicht, in seinen ←103 | 104→Worten: »ihr...

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